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Häufig gestellte Fragen

Reicht ein Standard-ERP für ein Zahntechnik-Labor aus?

In der Regel nicht, weil zentrale Funktionen wie die BEL-II- und BEB-Abrechnung, die Sonderanfertigungs-Dokumentation nach MDR und die Edelmetall-Verwaltung in generischen ERP-Systemen fehlen. Diese Anforderungen decken überwiegend dentale Branchen-ERP-Lösungen ab, die die Leistungsverzeichnisse nativ pflegen und regelmäßig aktualisieren. Ein Generalist lässt sich theoretisch über Customizing erweitern, doch der Aufwand für die laufend nachzuführenden Abrechnungsstände und Konformitätspflichten ist meist höher als der Einsatz eines spezialisierten Systems. Der konkrete Bedarf hängt von Laborgröße, Fertigungstiefe und dem Anteil gesetzlicher gegenüber privater Versorgung ab.

Wie unterscheidet ein Zahntechnik-ERP die Abrechnung nach BEL II und BEB?

BEL II ist das bundeseinheitliche Leistungsverzeichnis für gesetzlich Versicherte und funktioniert als Höchstpreisliste, deren bundesweite Durchschnittspreise jährlich zwischen GKV-Spitzenverband und dem Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen festgelegt und regional über die Kassenzahnärztlichen Vereinigungen ausgehandelt werden. Die BEB hingegen ist keine staatlich verordnete Preisliste, sondern eine unverbindliche Kalkulationsgrundlage für privatzahnärztliche Leistungen mit einem deutlich größeren Spektrum an Einzelpositionen. Ein dentales ERP trennt beide Logiken automatisch, ordnet Positionen dem jeweiligen Versichertenstatus zu und führt die jährlich aktualisierten, regional unterschiedlichen Höchstpreisstände nach. So lassen sich Material-Aufschläge, Aufzahlungen und Verbrauchserfassung pro Position konsistent dokumentieren.

Welche MDR-Pflichten muss ein ERP für Zahnersatz abbilden?

Seit dem 26. Mai 2021 gilt die EU-Medizinprodukteverordnung (MDR 2017/745), nach der Dentallabore als Hersteller von Sonderanfertigungen eingestuft werden. Für jede in Verkehr gebrachte Sonderanfertigung ist eine Konformitätserklärung nach Anhang XIII zu erstellen, ergänzt um ein Risikomanagementsystem und eine durchgängige Chargenrückverfolgung der eingesetzten Materialien. Ein modernes Zahntechnik-ERP automatisiert die Erstellung dieser Erklärung pro Auftrag, verknüpft sie mit der Material-Charge und archiviert die Nachweise revisionssicher mit Audit-Trail. Eine UDI-Trägerkennzeichnung und die Registrierung im EUDAMED-Produktmodul entfallen bei Sonderanfertigungen, doch die Dokumentationspflichten der Herstellung sowie die Registrierung als Akteur in EUDAMED bleiben unverändert bestehen.

In welche Risikoklassen fallen typische Laborprodukte und was bedeutet das für die Software?

Provisorien und Schienen werden in der Regel als Klasse I eingestuft, dauerhafter Zahnersatz wie Kronen und Brücken als Klasse IIa und Dentalimplantate als Klasse IIb. Die Klasse bestimmt den Dokumentations- und Konformitätsaufwand, weshalb ein ERP die Risikoklasse je Auftragsart hinterlegen und die passenden Pflichtschritte auslösen sollte. Bei implantierbaren Produkten gelten zudem verlängerte Aufbewahrungsfristen: Die Konformitätserklärung ist allgemein mindestens zehn Jahre, bei implantierbaren Medizinprodukten mindestens fünfzehn Jahre nach Inverkehrbringen vorzuhalten. Eine fristgerechte, klassenabhängige Archivierung sollte das System daher automatisiert steuern statt sie manuell zu verwalten.

Wie bindet ein Zahntechnik-ERP den digitalen CAD/CAM-Workflow an?

Im digitalen Laborbetrieb kommen Patientenfälle als Datensatz aus der Praxis, meist im STL- oder PLY-Format aus Intraoralscannern, und werden in CAD-Software wie exocad oder dem 3Shape Dental System weiterverarbeitet. Ein gut integriertes ERP nimmt diese Datensätze in den Auftrag auf, verknüpft sie mit Auftragsstatus, Materialfluss und Mitarbeiterzeiten und reicht sie an die CAM-Strecke für Fräse oder 3D-Drucker weiter. Der Datenaustausch mit der Praxis läuft je nach Hersteller über Cloud-Portale oder direkte Schnittstellen, sodass Aufträge ohne Medienbruch annehmbar sind. Wichtig ist die saubere Zuordnung von Scandaten zur Konformitäts- und Chargendokumentation, damit der digitale Workflow die MDR-Nachweispflichten nicht durchbricht.

Was kostet ein ERP-Projekt für ein Zahntechnik-Labor realistisch?

Belastbare Pauschalpreise gibt es nicht, da Kosten stark von Laborgröße, Anwenderzahl und Integrationstiefe abhängen; als grobe Orientierung werden für ein Labor mit rund zehn Arbeitsplätzen über fünf Jahre häufig mittlere fünfstellige bis niedrige sechsstellige Gesamtkosten genannt. Die reinen Lizenzgebühren machen dabei typischerweise nur rund ein Viertel bis ein Drittel aus, der größere Teil entfällt auf Implementierung, Customizing, Schulung und Datenmigration. MDR- und QM-spezifische Add-ons sowie begleitende Beratung verursachen zusätzlichen Aufwand, der vorab eingeplant werden sollte. Cloud-Modelle senken die Anfangsinvestition, verschieben die Ausgaben aber dauerhaft in die laufenden Betriebskosten, was sich in der TCO-Betrachtung niederschlägt.