Zum Inhalt springen

Häufig gestellte Fragen

Reicht ein Standard-ERP für die Entsorgungswirtschaft aus?

Ein klassisches Standard-ERP deckt die abfallrechtlichen Kernprozesse von Recycling- und Entsorgungsbetrieben in der Regel nicht ab, weil das elektronische Abfallnachweisverfahren (eANV) und die eichrechtskonforme Waagen-Integration zu den branchenspezifischen Pflichtfunktionen zählen. Begleitscheine für gefährliche Abfälle müssen seit dem 1. April 2010 elektronisch geführt und seit dem 1. Februar 2011 qualifiziert elektronisch signiert werden, was Generalisten ohne entsprechendes Add-on nur über fehleranfällige Workarounds abbilden. Branchenlösungen oder spezialisierte Entsorger-ERP bringen diese Funktionen nativ mit und reduzieren dadurch den Customizing-Aufwand. Eine belastbare Eignungsbewertung erfordert dennoch eine Einzelfallanalyse durch eine branchenerfahrene ERP-Beratung anhand der konkreten Abfallströme und Genehmigungslage.

Was bedeutet eANV und welche ERP-Funktionen braucht es dafür?

eANV steht für das elektronische Abfallnachweisverfahren und ist seit dem 1. April 2010 für nachweispflichtige, also in der Regel gefährliche Abfälle verpflichtend; der Datenaustausch mit den Behörden läuft dabei bundesweit einheitlich über die Zentrale Koordinierungsstelle Abfall (ZKS-Abfall). Ein geeignetes Entsorger-ERP sollte die Erstellung von Entsorgungsnachweisen und Begleitscheinen, die qualifizierte elektronische Signatur (QES) sowie das Sammeln der Quittungen aller Beteiligten direkt integrieren. Diese eANV-Funktionalität sollte zum Standardumfang gehören und nicht als individuell zu programmierendes Custom-Add-on geliefert werden. Im Markt gibt es dafür spezialisierte Abfallwirtschafts- und Entsorger-ERP-Lösungen sowie eANV-Fachsoftware; welche davon im Einzelfall passt, hängt von den konkreten Abfallströmen, Mengen und Schnittstellen ab und sollte anhand belastbarer Anbieterreferenzen geprüft werden.

Wie wird die Brückenwaage an das ERP angebunden?

Auf nahezu jedem Entsorgungshof steht eine Waage, deren Werte ein Entsorger-ERP idealerweise automatisch übernimmt, indem Brutto, Tara und Netto direkt aus der Brückenwaage in die Auftragsverwaltung wandern. Üblich sind dabei eine Fahrzeug-Erkennung per RFID oder Kennzeichenlesung, die Auswahl des Abfallschlüssels per Touch-Display am Wiegepunkt sowie der direkte Beleg-Druck. Da Wiegescheine abrechnungsrelevant sind, muss die Anbindung an gängige Waagen-Fabrikate eichrechtskonforme Belege erzeugen. Das manuelle Übertragen aus einem Wiegebuch gilt als fehleranfällig und sollte durch eine direkte Schnittstelle ersetzt werden.

Was ändert sich 2026 bei der grenzüberschreitenden Abfallverbringung?

Mit der EU-Abfallverbringungsverordnung (EU) 2024/1157 wird der elektronische Datenaustausch für grenzüberschreitende Abfalltransporte ab dem 21. Mai 2026 verpflichtend. Betroffen sind sowohl notifizierungspflichtige Verbringungen als auch die Informationspflichten bei Abfällen der sogenannten grünen Liste, die dann ausschließlich digital abzuwickeln sind. Der Austausch erfolgt über das zentrale EU-System DIWASS (Digital Waste Shipment System) beziehungsweise daran angebundene, interoperable Behörden- und Softwarelösungen. Entsorger, die international tätig sind, sollten frühzeitig prüfen, ob ihr ERP oder eine ergänzende Fachsoftware diese digitale Anbindung unterstützt.

Wie unterstützt ein ERP den Status als Entsorgungsfachbetrieb (EfbV)?

Die Zertifizierung als Entsorgungsfachbetrieb nach der Entsorgungsfachbetriebe-Verordnung (EfbV) verlangt eine lückenlose Dokumentation der betrieblichen Vorgänge, unter anderem in Form eines Betriebstagebuchs. Ein passendes ERP kann diese Nachweispflichten unterstützen, indem es Stoffströme nach den sechsstelligen Abfallschlüsseln der Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) erfasst, Mengenbilanzen je Anlage führt und auswertbar bereithält. Da die Verlässlichkeit der Dokumentation bei der mindestens jährlichen Überprüfung durch Sachverständige im Mittelpunkt steht, sind nachvollziehbare, mandantenfähige Auswertungen ein praktischer Vorteil. Die Software ersetzt jedoch nicht die organisatorischen und personellen Anforderungen der EfbV, etwa zur Fach- und Sachkunde der Beschäftigten.

Welche Rolle spielt die Container-Disposition im Entsorger-ERP?

Die Container-Disposition ist im Entsorgungsgeschäft ein zentraler Margenfaktor, weil ungenutzt stehende Behälter Kapital binden und Umsatzpotenzial verschenken. Ein modernes Recycling-ERP sollte daher einen Status-Überblick je Behälter mit Standort, Belegung, Anmietzeit und ausstehender Rückführung bieten und idealerweise Behälterstammdaten je Typ wie Container, Mulde oder Presse abbilden. In Kombination mit Touren- und Routenplanung über GPS- beziehungsweise Telematik-Anbindung lassen sich Leerungsintervalle und Fahrzeugeinsätze besser steuern. Die konkrete Tiefe dieser Funktionen unterscheidet sich je nach Anbieter und sollte an den eigenen Behälter- und Fuhrparkprozessen gemessen werden.