ERP für Bauunternehmen – Software für Hochbau, Tiefbau, GU
Bauunternehmen brauchen ein ERP, das gleichzeitig Auftrag, Kalkulation, Aufmaß, VOB-Abrechnung, Lohn und Bautagebuch abdeckt. Klassische Standard-ERPs scheitern an der Bauspezifik: GAEB-Datenaustausch, Aufmaß nach REB 23.003, Nachtragsmanagement und das hohe Maß an Subunternehmer-Integration. Ein ERP für Bauunternehmen muss diese Bausteine im Standard liefern – sonst wird jedes Bauprojekt zur Excel-Schlacht.
GAEB-Datenaustausch und Kalkulation
Der GAEB-Datenaustausch (DA 81-86) ist der Standard für die elektronische Übermittlung von Leistungsverzeichnissen, Angeboten und Aufmaßen zwischen Auftraggeber und Bieter. Ein Bau-ERP muss GAEB-Dateien lesen, in eine Kalkulation übertragen, mit eigenen Stammdaten (Material, Lohn, Gerät, Sub) anreichern und das Angebot wieder in GAEB ausgeben. Wer das nicht kann, scheitert an öffentlichen Ausschreibungen.
Branchen-Spezialisten wie RIB iTWO, Nevaris Build, BRZ-Bau, BauSU oder nextBau liefern GAEB-Tools im Standard. Ein SAP Business One oder Microsoft Dynamics 365 BC braucht ein zertifiziertes Add-on.
Aufmaß, Nachträge und VOB-Abrechnung
Das Aufmaß ist der Marge-Hebel im Bau: Was nicht aufgemessen ist, wird nicht abgerechnet. Modernes Aufmaß läuft mobil mit Tablet, Foto und GPS, wird im ERP geprüft, mit Pos.-Nummern verknüpft und in die Abrechnung übernommen. Nachträge sind das nächste Thema – kein Bauprojekt ohne Nachtrag, und kein Nachtrag ohne sauberer Dokumentation. VOB/B § 2 verlangt vorherige Anzeige – ein gutes Bau-ERP führt eine Nachtrags-Akte mit Status (angekündigt / verhandelt / beauftragt / abgerechnet).
Bei der VOB-Abrechnung sind Abschlags- und Schluss-Rechnungen Pflicht, jeweils mit Sicherheitseinbehalt, Rückgewähr-Bürgschaft und Mängelvorbehalt. Ein Bau-ERP muss diese Logik korrekt führen.
Subunternehmer-Management
Generalunternehmer arbeiten mit 5-50 Subunternehmern parallel. Jeder Sub bringt eigene Verträge, eigene Sicherheiten, eigene Aufmaße und eigene Risiken (Insolvenz, Mindestlohn, Bonität). Ein Bau-ERP muss Sub-Verträge mit Konditionen, Bürgschaftsanfragen, Aufmaß-Akzeptanzen, Skonto-Logik und Bonitäts-Prüfungen führen. Pflicht: Schnittstellen zur Bonitätsauskunft (Creditreform, Bürgel) und zur SOKA-Bau-Mitgliedschaftsprüfung.
Auswahlkriterien für Baubetriebe
- GAEB-Datenaustausch (DA 81-86) im Standard
- Mobile Aufmaß-App mit Foto und GPS
- Nachtragsmanagement mit Akten-Logik
- VOB-Abrechnung (Abschlag / Schluss / Sicherheit)
- Sub-Management mit Bürgschaft, Bonität, SOKA
- Bautagebuch mit Wetter, Sub-Anwesenheit, Foto-Doku
- Lohnschnittstelle zu Bau-Lohn-Programmen (DATEV Bau, Sage Lohn)
- BIM-Integration (IFC) für GU-Projekte
- Geräte-/Maschinen-Disposition mit Auslastung
- Mehrwertsteuer-Logik für Bau (§ 13b)
Bekannte Bau-ERP-Anbieter und realistische TCO
RIB iTWO ist Marktführer im Hochbau-GU-Segment, bietet integrierte BIM-Funktionen und hohe Kalkulations-Tiefe. Nevaris Build (Nemetschek) ist Cloud-First. BRZ-Bau ist Genossenschafts-getragen mit hoher DACH-Marktdurchdringung. BauSU deckt Mittelstand sehr breit ab. nextBau ist Cloud-First für KMU.
Realistische TCO (5 Jahre, 30 User): 200-500 TEUR. Implementation: 6-12 Monate. Stammdaten-Migration aus alten Excel-/Access-Welten ist erfahrungsgemäß der größte Zeitfresser.
Häufige Fragen
- Reicht ein Standard-ERP für Bauunternehmen?
Nein. GAEB, VOB-Abrechnung und Aufmaß brauchen Branchen-ERP oder zertifizierte Add-ons.
- Welche Bau-ERPs sind cloudfähig?
Nevaris Build, nextBau, BRZ Bau Cloud, RIB iTWO 4.0 (hybrid).
- Wie ist die typische Projektlaufzeit?
6-12 Monate Standard-Mittelstand, bis 24 Monate für GU mit BIM-Integration.
