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Häufig gestellte Fragen

Reicht ein Marktplatz-Tool oder brauche ich ein vollwertiges ERP?

Reine Order-Tools wie Billbee reichen für Einsteiger, die vor allem Bestellungen importieren, Bestände abgleichen und Versandlabels erzeugen wollen, bieten aber typischerweise weder ein vollwertiges Einkaufs- noch Buchhaltungsmodul. Sobald Disposition, Einkauf, mehrstufige Lagerlogik und eine integrierte Buchhaltung dazukommen, lohnt sich eher ein vollwertiges ERP wie Xentral oder plentyONE, das auch bei sehr vielen Bestellungen und Kanälen skaliert. Als Faustregel gilt: Je mehr Kanäle, Lagerorte und steuerliche Anforderungen Sie haben, desto eher zahlt sich ein ERP gegenüber einer reinen Order-Lösung aus. Standard-Schnittstellen wie REST-API, EDIFACT (vor allem für EDI-getriebene Plattformen wie Otto oder Zalando), OData und ZUGFeRD sollten direkt unterstützt sein, um teure Custom-Anbindungen zu vermeiden.

Wie verhindere ich Bestandsfehler und Überverkäufe bei FBA und eigenem Lager?

Der FBA-Bestand sollte als eigenes virtuelles Lager strikt vom selbst versandten Lagerbestand getrennt geführt und über die Amazon-SP-API regelmäßig synchronisiert werden. Die FBA-Inventory-API unterscheidet dabei Zustände wie fulfillable, inbound, reserved und unfulfillable, sodass ein ERP nur die tatsächlich verkaufsfähigen (fulfillable) Mengen in die Kanäle spielt. Verkauft sich ein Artikel auf einem Kanal, sollte die Bestandsänderung möglichst zeitnah und automatisch an alle übrigen Marktplätze gemeldet werden, weil sonst Überverkäufe und Stornoquoten steigen. Ein Sicherheitspuffer von einigen Prozent fängt Sync-Latenzen zusätzlich ab; die genaue Ausgestaltung variiert je nach Sortiment, Volumen und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups.

Warum ist die Amazon Buy-Box so wichtig und brauche ich dafür einen Repricer?

Die Buy-Box ist das Kauffeld, über das nach gängigen Branchenauswertungen rund 82 Prozent aller Amazon-Verkäufe laufen, auf mobilen Endgeräten teils noch höher. Wer sie bei einem Angebot mit mehreren Verkäufern nicht hält, bleibt für viele Käufer faktisch im Hintergrund, da sie selten gezielt zu alternativen Anbietern weiterklicken. Über die Buy-Box entscheidet jedoch nicht nur der Preis, sondern auch Verfügbarkeit, Versandzeit und Performance-Kennzahlen wie die Order Defect Rate. Ein Repricer, der dynamisch und innerhalb der aus dem ERP vorgegebenen Min-Max-Grenzen agiert, kann beim Mithalten helfen; ohne durchdachte Preisstrategie verlieren rein statische Listenpreise auf umkämpften Marktplätzen jedoch häufiger die Buy-Box.

Welche Compliance-Pflichten muss ein Marktplatz-ERP abbilden?

Seit dem 1. Juli 2022 dürfen Betreiber elektronischer Marktplätze den Verkauf grundsätzlich nur ermöglichen, wenn Händler eine Registrierung im Verpackungsregister LUCID nach dem Verpackungsgesetz nachweisen; fehlt der Nachweis, drohen Vertriebssperren sowie Bußgelder (bis zu 200.000 Euro je nach Verstoß). Hinzu kommt die Marktplatzhaftung nach § 25e UStG: Plattformen wie Amazon und eBay gleichen die hinterlegte Umsatzsteuer-Identifikationsnummer digital mit dem Bundeszentralamt für Steuern ab, um sich von der Haftung für nicht abgeführte Umsatzsteuer zu befreien. Je nach Sortiment kommen weitere Registrierungspflichten hinzu, etwa ElektroG/Stiftung-EAR (WEEE-/EPR-Nummer) für Elektrogeräte sowie eigene EPR-Registrierungen in anderen EU-Ländern. Ein modernes ERP verwaltet diese Stammdaten zentral und kann sie in Listings und Marktplatz-Konten einspielen, sodass Sperren wegen fehlender Nachweise leichter vermieden werden.

Wie unterstützt ein ERP die Umsatzsteuer bei grenzüberschreitenden Marktplatz-Verkäufen (OSS)?

Für EU-Fernverkäufe an Privatkunden gilt seit dem 1. Juli 2021 eine einheitliche Lieferschwelle von 10.000 Euro netto pro Jahr (über alle EU-Staaten zusammengerechnet); wird sie überschritten, fällt die Umsatzsteuer im jeweiligen Bestimmungsland an. Statt sich in jedem Land einzeln registrieren zu müssen, können Händler diese Umsätze gebündelt über das One-Stop-Shop-Verfahren (OSS) im Sitzstaat melden, was den bürokratischen Aufwand deutlich reduziert. Ein ERP sollte Lieferungen länderscharf mit dem korrekten Steuersatz erfassen und für die OSS-Meldung sauber auswertbar machen, idealerweise getrennt von rein nationalen Umsätzen. Bei Lagerung in mehreren Ländern, etwa über Amazon-Programme mit EU-weitem Versand, sind zusätzlich lokale umsatzsteuerliche Registrierungen nötig, weshalb sich eine Abstimmung mit dem Steuerberater oder einer spezialisierten Tax-Compliance-Lösung empfiehlt.

Wer hilft bei der ERP-Auswahl für Marktplatz-Verkäufer?

Für die Auswahl lohnt eine spezialisierte Auswahlbegleitung mit nachweisbarer E-Commerce- und Marktplatz-Erfahrung, da Connectoren, Bestandslogik und Steuerthemen branchenspezifisch sind. Wer eher generelle Unterstützung sucht, findet sie unter ERP-Beratung. Eine strukturierte Auswahl kombiniert ein Lastenheft mit den eigenen Kanal- und Volumenanforderungen, eine Demo mit echten eigenen Daten, Referenzbesuche bei vergleichbaren Händlern und einen Proof-of-Concept auf zwei bis drei kritischen Prozessen wie FBA-Sync, Listing-Pflege und Retouren. So lässt sich vor der Entscheidung realistisch prüfen, ob das System die eigene Marktplatz-Komplexität tatsächlich abbildet.