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Häufig gestellte Fragen

Welche ERP-Systeme sind in Österreich am weitesten verbreitet?

Eine belastbare Marktanteilsstatistik nach Stückzahlen oder Umsatz liegt für Österreich nicht öffentlich vor – weder IDC noch Gartner geben Länderdaten frei, und Trovarit veröffentlicht keine österreichische Teilauswertung. Belegt sind die Strukturen: Im Rechnungswesen und in der Lohnverrechnung prägen die heimischen Häuser BMD (103,5 Mio. Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2025/26, über 30.000 Kunden), RZL (Software auf über 16.000 Arbeitsplätzen) und dvo (über 3.500 Kunden) den Markt, während DATEV Österreich bis Ende 2028 abgewickelt wird. Im KMU-ERP-Segment stehen mesonic WinLine, Aptean Austria (Ramsauer & Stürmer, JET ERP), SAP Business One, Microsoft Dynamics 365 Business Central, proALPHA, abas und Odoo über Partnernetze nebeneinander. Bei Großunternehmen und im öffentlichen Sektor dominiert SAP – die DSAG Österreich zählt über 300 Mitgliedsunternehmen, und das Bundesrechenzentrum betreibt die Haushaltsverrechnung des Bundes auf SAP S/4HANA.

Braucht die österreichische Tochter ein anderes ERP als die deutsche Zentrale?

Nicht zwingend – die meisten Konzernsysteme haben eine österreichische Lokalisierung, und die Sprache ist dieselbe. Das System muss aber vier Dinge sauber abbilden, die ein deutsches Setup nicht mitbringt: die Rechnungslegung nach UGB mit dem Einheitskontenrahmen KFS/BW 6 statt SKR03/04 und sieben Jahren Aufbewahrung, die Umsatzsteuer mit vier Sätzen (20, 13, 10 und ab Juli 2026 4,9 Prozent) samt UVA über FinanzOnline, die Registrierkassenpflicht mit Signaturerstellungseinheit nach RKSV und die Lohnverrechnung mit Kollektivverträgen, 13. und 14. Gehalt, Kommunalsteuer je Gemeinde und Meldungen über ELDA. In der Praxis läuft deshalb häufig ein Zwei-Ebenen-Modell: das Konzern-ERP für Finanzen, Logistik und Reporting, dazu eine österreichische Lohnsoftware (BMD, RZL, dvo oder Sage DPW) im eigenen Haus oder beim Steuerberater. Wer für die österreichische Buchhaltung bisher DATEV nutzt, muss den Wechsel ohnehin bis Ende 2028 planen.

Gibt es in Österreich eine E-Rechnungspflicht wie in Deutschland?

Nur gegenüber dem Bund: Seit dem 1. Januar 2014 müssen Lieferanten von Bundesstellen ihre Rechnungen elektronisch einbringen – über das Unternehmensserviceportal, das Peppol-Netzwerk oder einen Webservice, in den Formaten ebInterface oder UBL. Für inländische B2B-Rechnungen besteht dagegen keine Pflicht zu einem strukturierten Format, und ein nationaler Zeitplan dafür war in den recherchierten Quellen nicht zu finden. Deutschland ist hier weiter: Dort gilt seit dem 1. Januar 2025 die Empfangspflicht für B2B-E-Rechnungen, ab 2027 beziehungsweise 2028 die Sendepflicht. Für beide Länder gilt die EU-Richtlinie ViDA, die ab dem 1. Juli 2030 strukturierte E-Rechnungen nach EN 16931 für grenzüberschreitende B2B-Umsätze vorschreibt; bestehende nationale Systeme müssen bis 2035 angepasst werden. Eine deutsche Zentrale mit österreichischer Tochter fährt bis dahin zwei Regime.

Was kostet ein ERP-Projekt im österreichischen Mittelstand?

Eine unabhängige Kostenstudie für Österreich gibt es nicht; die verfügbaren Zahlen sind Beraterangaben. Ein Beratungshaus (exponent.at) nennt für kleine Unternehmen (2026) im ersten Jahr 5.000 bis 16.000 Euro für eine SaaS-Lösung und 8.000 bis 35.000 Euro für ein On-Premise-System, Projektlaufzeiten von 14 bis 26 Wochen und Partner-Stundensätze von 120 bis 200 Euro; für größere Mittelstandsprojekte kursieren im DACH-Raum 80.000 bis 300.000 Euro. Listenpreise sind teils öffentlich: SAP Business One kostet bei österreichischen Partnern 2.700 Euro je Professional User im Kauf oder 91 Euro im Monat, Odoo startet bei 19,90 Euro je Nutzer und Monat, mesonic WinLine in der Cloud bei 23,40 Euro. Zum Vergleich nennt Trovarit für Deutschland rund 4.400 Euro Investition je ERP-Arbeitsplatz und etwa zwölf Monate Projektdauer. Wer 2026 investiert, sollte den befristet auf 20 Prozent erhöhten Investitionsfreibetrag und die Förderung KMU.DIGITAL prüfen.