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Häufig gestellte Fragen

Welche ERP-Systeme sind in Tschechien am weitesten verbreitet?

Eine aktuelle, belastbare Marktanteilsstatistik nach Stückzahlen liegt für Tschechien nicht öffentlich vor – die letzte veröffentlichte Analystenrechnung von IDC stammt aus dem Jahr 2012 und sah SAP bei 46,3 Prozent der Ausgaben für Unternehmensanwendungen, Microsoft bei 12,1 Prozent und Asseco Solutions bei 9,7 Prozent. Im Großunternehmens- und Konzernsegment prägen SAP, Microsoft Dynamics, Infor, QAD über den Partner Minerva und IFS das Bild; im Mittelstand dominieren lokale Systeme wie Helios von Asseco Solutions, ABRA Gen, die Seyfor-Familie mit Money und Byznys ERP, K2, KARAT und QI. Am unteren Ende steht die Buchhaltungssoftware POHODA von STORMWARE, von der der Hersteller nach eigenen Angaben mehr als 180.000 Lizenzen verkauft hat. Für einzelne Systeme gibt es nur Anbieterangaben: Asseco Solutions nennt 18.000 Kunden für die Helios-Familie, KARAT Software 953 Installationen in Tschechien.

Braucht eine tschechische Tochter ein anderes ERP als die deutsche Zentrale?

Nicht zwingend, aber das System muss vier tschechische Pflichten sauber abbilden: den tschechischen Kontenrahmen nach der Vyhláška č. 500/2002 Sb. mit zehn Kontenklassen, die monatliche Transaktionsmeldung Kontrolní hlášení im vorgeschriebenen XML-Format, die Buchführung in tschechischer Sprache nach § 4 des Buchhaltungsgesetzes und die Kronen-Buchführung, weil Tschechien den Euro nicht eingeführt hat. Ein Mapping des deutschen SKR 03 oder SKR 04 auf tschechische Konten reicht dafür nicht aus, weil der Kontenplan im Rahmen der gesetzlichen Kontengruppen selbst festgelegt wird. Große Konzerne lösen das über die tschechische Ländervariante ihres Konzernsystems, kleinere Töchter fahren häufig ein Zweitsystem mit lokaler Buchhaltung und Konsolidierung in Deutschland. Seit dem 1. Januar 2024 erlaubt § 24a des Buchhaltungsgesetzes zusätzlich die Bilanzierung in Euro, US-Dollar oder britischen Pfund, sofern dies zugleich die funktionale Währung des Unternehmens ist – das erleichtert Konzernberichte, ändert aber nichts an den tschechischen Meldepflichten.

Gibt es in Tschechien eine E-Rechnungspflicht wie in Deutschland?

Nein, im B2B-Bereich gibt es in Tschechien bislang keine Pflicht zur elektronischen Rechnung. Verpflichtend ist nur die Annahme durch öffentliche Auftraggeber: Zentrale Staatsorgane mussten E-Rechnungen ab dem 31. Dezember 2018 annehmen, die Auftraggeberkategorie Tschechische Republik samt Nationalbank ab dem 1. April 2019 und alle übrigen öffentlichen Auftraggeber ab dem 1. April 2020, jeweils in den Formaten der Norm EN 16931 sowie im nationalen Format ISDOC beziehungsweise ISDOCX ab Version 5.2. Ein Clearing-Modell wie in Italien oder Polen existiert nicht, und obwohl die EU-Richtlinie ViDA nationale Mandate seit dem 14. April 2025 ausdrücklich erlaubt, hat Tschechien bis heute keines angekündigt. Verbindlich wird es erst über den EU-Fahrplan: ab dem 1. Juli 2030 für innergemeinschaftliche B2B-Umsätze nach EN 16931, für Inlandsumsätze gilt eine Harmonisierungsfrist bis Januar 2035. In Deutschland gilt dagegen bereits seit dem 1. Januar 2025 die Empfangspflicht und ab 2027 beziehungsweise 2028 die Sendepflicht.

Was kostet ein ERP-Projekt im tschechischen Mittelstand?

Die belastbarste Erhebung stammt aus der Asseco-Studie „Digitalizace podniků 2022": Danach investierten kleine und mittlere Unternehmen im Schnitt 269.000 Kronen in ihr ERP-System, Großunternehmen 1,2 Millionen Kronen, bei einer Implementierungsdauer von drei bis sechs Monaten im Mittelstand und rund einem Jahr in Großunternehmen. Anbieter- und Beraterangaben aus dem Jahr 2026 nennen für kleinere Unternehmen Gesamtkosten von 100.000 bis 500.000 Kronen über drei Jahre, Cloud-Abonnements von 3.000 bis 10.000 Kronen im Monat und On-Premise-Lizenzen ab 150.000 Kronen; die Lizenz für ABRA Gen wird von Wettbewerbern ab rund 250.000 Kronen angesetzt. Bei den laufenden Preisen sind nur die kleineren Systeme transparent: POHODA kostet je nach Ausbaustufe 2.980 bis 19.980 Kronen als Einzelplatzlizenz plus 980 bis 5.790 Kronen jährlichen Service, Dynamics 365 Business Central steht auf der tschechischen Microsoft-Seite bei 69,30 Euro je Nutzer und Monat für Essentials und 95,30 Euro für Premium. Helios und K2 veröffentlichen keine Preise, was den Vergleich mit deutschen Faustzahlen von rund 4.400 Euro je Arbeitsplatz erschwert.