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Häufig gestellte Fragen

Welche ERP-Systeme sind in der Schweiz am weitesten verbreitet?

Für die installierte Basis der größeren Schweizer Unternehmen liefert die Profondia-Erhebung des IT-Markt-Reports die einzige regelmäßig veröffentlichte Zählung: 2024 führt Abacus mit 17 Prozent vor SAP mit 15 Prozent, Microsoft Dynamics mit 7 Prozent und Infoniqa (früher Sage Schweiz) mit 6 Prozent, während spezialisierte Anbieter zusammen 45 Prozent stellen. Abacus hatte SAP nach derselben Erhebung im Juli 2023 erstmals überholt. Im Kleinunternehmenssegment zählen die Cloud-Plattformen nach Kundenzahl: bexio meldete im Februar 2026 über 100.000 Kunden, Swiss21 über 80.000 und KLARA rund 50.000. Eine Marktanteilsstatistik nach Stückzahlen über alle Größenklassen hinweg gibt es für die Schweiz nicht.

Braucht eine Schweizer Tochter ein anderes ERP als die deutsche Zentrale?

Nicht zwingend, aber das Konzernsystem muss vier Schweizer Besonderheiten sauber abbilden: die Mehrwertsteuer mit 8,1, 2,6 und 3,8 Prozent samt Bezugsteuer und elektronischer Abrechnung über das ePortal der Eidgenössischen Steuerverwaltung, die QR-Rechnung und den ISO-20022-Zahlungsverkehr, die Rechnungslegung nach Obligationenrecht mit dem Kontenrahmen KMU sowie die Lohnabrechnung nach dem Swissdec-Standard ELM 5.0, der ab dem Lohnjahr 2026 verbindlich ist. Gerade der letzte Punkt entscheidet in der Praxis: Für ELM 5.5 sind laut Swissdec nur sechs Hersteller zertifiziert, darunter Abacus, Proffix und SwissSalary als Zusatzmodul für Business Central, weshalb viele Töchter den Lohn über ein zertifiziertes Schweizer Lohnprogramm oder einen Treuhänder laufen lassen. Dazu kommt die Mehrsprachigkeit mit Deutsch, Französisch und Italienisch, die Belege, Stammdaten und Rollen betrifft. Wer diese Punkte im Konzernsystem lokalisiert bekommt, braucht kein zweites ERP; wer nicht, fährt häufig ein Schweizer System für Finanzen und Lohn mit Konsolidierung in die Zentrale.

Gibt es in der Schweiz eine E-Rechnungspflicht wie in Deutschland?

Nein. Die Schweiz kennt keine gesetzliche E-Rechnungspflicht im B2B- oder B2C-Geschäft; verpflichtend ist die elektronische Rechnung nur gegenüber der Bundesverwaltung, und zwar seit dem 1. Januar 2016 für Lieferanten mit einem Vertragswert über 5.000 Franken. Standardisiert ist stattdessen der Zahlungsverkehr: Seit dem 30. September 2022 ist die QR-Rechnung der einzige zugelassene Einzahlungsschein, und über eBill von SIX empfangen mehr als vier Millionen registrierte Nutzer ihre Rechnungen digital. Für den strukturierten Rechnungsaustausch sind Formate wie ZUGFeRD CH, Swiss Invoice oder Peppol BIS im Umlauf, aber ohne Pflicht und ohne Meldesystem. In Deutschland gilt dagegen seit dem 1. Januar 2025 die Empfangspflicht, ab 2027 beziehungsweise 2028 die Sendepflicht für inländische B2B-Rechnungen.

Was kostet ein ERP-Projekt im Schweizer Mittelstand?

Belastbare Anwenderstudien mit Kostenkennzahlen gibt es für die Schweiz nicht; die verfügbaren Angaben stammen von Implementierungspartnern. Für ein KMU mit 30 bis 50 Lizenzen nennen die Business-Central-Partner Nexova Dynamics und redPoint einmalige Einführungskosten von 70.000 bis 100.000 Franken (rund 74.000 bis 106.000 Euro) bei drei bis sechs Monaten für abgegrenzte und sechs bis neun Monaten für bereichsübergreifende Projekte. Ein kleines SAP-Business-One-Projekt mit acht Anwendern setzt der Partner Versino mit 30.000 bis 40.000 Franken an. Bei den Lizenzen liegt Business Central in der Schweiz bei 64,80 Franken (Essentials) beziehungsweise 89,10 Franken (Premium) je Nutzer und Monat, Odoo bei 35 Franken je Nutzer, bexio zwischen 35 und 119 Franken je Monat pro Unternehmen. Für Beraterhonorare ist nur ein Supportsatz von bis zu 210 Franken je Stunde belegt; das allgemeine Preisniveau der Schweiz liegt nach Eurostat 2024 bei 158,8 Indexpunkten gegenüber 111,7 für Deutschland.