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Häufig gestellte Fragen

Welche ERP-Systeme sind in Indien am weitesten verbreitet?

Vendorbezogene Marktanteile in Prozent weist für Indien kein Herausgeber öffentlich aus – die Frage lässt sich deshalb nur über zwei getrennte Segmente beantworten. Im Umsatzsegment nennt Mordor Intelligence für 2025 SAP, Oracle, Microsoft, Infor und Ramco Systems als die fünf größten Anbieter mit zusammen 59 Prozent des Marktes; Ken Research führt in seinem ERP-Software-Report dagegen Tally Solutions und Zoho auf den Rängen vier und fünf, im eigenen Cloud-Report aber wieder Infor und Ramco – ein Widerspruch innerhalb desselben Herausgebers. Nach Stückzahlen liegt der Markt eindeutig bei den indischen Anbietern: Tally Solutions nennt 2,7 Millionen zahlende MSME-Kunden, BUSY Infotech mehr als 600.000 Unternehmen, Marg ERP über eine Million. Für deutsche Töchter heißt das praktisch: Im Konzernumfeld trifft man SAP, Oracle NetSuite oder Dynamics 365, bei indischen Lieferanten und Händlern fast immer Tally oder ein vergleichbares lokales Buchhaltungssystem.

Braucht die indische Tochter ein anderes ERP als die deutsche Zentrale?

Nicht zwingend, aber das System muss eine vollständige Indien-Lokalisierung mitbringen, und die ist umfangreicher als in den meisten anderen Märkten. Erforderlich sind mindestens die duale GST-Logik aus CGST, SGST und IGST mit mehreren GSTIN, sobald die Tochter in mehreren Bundesstaaten tätig ist, die Anbindung an ein Invoice Registration Portal für die E-Rechnung, TDS- und TCS-Abzüge an der Quelle, die Udyam-Klassifikation der Lieferanten für die 45-Tage-Zahlungsregel sowie ein nicht abschaltbarer Audit Trail nach den Companies (Accounts) Rules. Microsoft gibt für Dynamics 365 Business Central in Indien über 500 vorkonfigurierte Steuerfälle für GST, TDS und TCS an, Oracle betreibt NetSuite seit Februar 2025 aus indischen Rechenzentren in Mumbai und Hyderabad. Hinzu kommt eine Anforderung, die es in Europa so nicht gibt: Elektronisch geführte Bücher müssen jederzeit aus Indien zugänglich sein und täglich auf Server in Indien gesichert werden. Typische Muster sind nach unserer redaktionellen Einschätzung die Konzernsuite mit indischer Ländervariante oder ein lokales Zweitsystem mit Konsolidierung nach Deutschland – belastbare Erhebungen zur ERP-Ausstattung deutscher Indien-Töchter gibt es allerdings nicht.

Wie unterscheidet sich die E-Rechnungspflicht in Indien von der deutschen?

Indien ist Deutschland um Jahre voraus und arbeitet mit einem grundlegend anderen Modell. Seit dem 1. Oktober 2020 gilt eine gestufte Pflicht zur elektronischen Rechnung, die zuletzt am 1. August 2023 auf Unternehmen ab 5 Crore Rupien Jahresumsatz ausgeweitet wurde; die Rechnungsdaten gehen vor dem Versand an ein staatliches Invoice Registration Portal, das eine Invoice Reference Number und einen signierten QR-Code zurückgibt und die Daten in die Umsatzsteuermeldung und die E-Way Bill weiterreicht. Eine Rechnung ohne diese Nummer ist ungültig, und der Käufer verliert den Vorsteuerabzug; seit dem 1. April 2025 müssen Unternehmen ab 10 Crore Rupien Umsatz zusätzlich binnen 30 Tagen ab Belegdatum melden. Deutschland kennt seit dem 1. Januar 2025 lediglich die Empfangspflicht, die Ausstellungspflicht greift ab 2027 beziehungsweise 2028, und ein zentrales Meldesystem ist bislang nur geplant. Wer aus Deutschland kommt, muss sich also nicht auf weniger, sondern auf deutlich mehr staatliche Echtzeitkontrolle einstellen.

Was kostet ERP-Software im indischen Mittelstand?

Die Lizenzpreise liegen nominal weit unter deutschen Größenordnungen, kaufkraftbereinigt aber nicht. TallyPrime kostet als Dauerlizenz 22.500 Rupien für den Einzelplatz und je nach Quelle 63.500 (Inc42) oder 67.500 Rupien (Tally-Partner Antraweb und Markit Solutions) für die Mehrplatzversion, jeweils zuzüglich 18 Prozent GST, dazu ein Wartungsabo ab 4.500 Rupien im Jahr; BUSY Infotech verlangt zwischen 11.000 und 22.000 Rupien je Kauflizenz, Zoho Books beginnt bei 899 Rupien im Monat je Organisation. Microsoft listet Dynamics 365 Business Central in Indien mit 6.655 Rupien für Essentials und 9.150 Rupien für Premium je Nutzer und Monat. Zum Einordnen: Beim EZB-Referenzkurs vom 2. September 2026 von 109,962 Rupien je Euro entsprechen 6.655 Rupien rund 60 Euro, kaufkraftbereinigt mit dem Weltbank-Faktor von 20,09 Rupien je internationalem Dollar aber etwa 331 internationalen Dollar – für einen indischen Käufer fühlt sich derselbe Listenpreis vier- bis fünfmal teurer an als für einen deutschen. Belastbare Benchmarks für Projektkosten und Projektdauern indischer ERP-Einführungen liegen öffentlich nicht vor; wir nennen deshalb bewusst keine Faustzahl.