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Häufig gestellte Fragen

Warum scheitern ERP-Projekte häufiger an der Akzeptanz als an der Technik?

Schätzungen und Branchenanalysen gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil der ERP-Projekte seine ursprünglichen Ziele verfehlt; je nach Definition werden häufig 50 bis 75 Prozent als gescheitert oder unter den Erwartungen geblieben genannt, und Marktbeobachter wie Gartner erwarten auch für die kommenden Jahre hohe Quoten. Ein zentraler Grund ist dabei oft nicht die Software selbst, sondern fehlende Anwender-Akzeptanz: Wenn Mitarbeitende das neue System nicht verstehen, nicht mittragen oder an alten Workarounds festhalten, bleiben Datenqualität und erwartete Effizienzgewinne aus. Technische Mängel lassen sich meist nachjustieren, während verlorenes Vertrauen und unterlassene Nutzung schwerer zurückzugewinnen sind. Deshalb gilt strukturiertes Change-Management mit früher Einbindung der Anwender als ebenso wichtiger Erfolgsfaktor wie die reine Systemkonfiguration.

Was bedeutet Change-Management bei einer ERP-Einführung konkret?

Change-Management bezeichnet die geplante Begleitung des organisatorischen und menschlichen Wandels, den eine neue ERP-Software auslöst, und nicht nur die technische Implementierung. Dazu gehören das Identifizieren betroffener Stakeholder, eine transparente Kommunikation über Ziele und Auswirkungen, der Aufbau von Schulungs- und Support-Strukturen sowie der bewusste Umgang mit Widerständen. In der Praxis orientieren sich viele Projekte an etablierten Modellen wie Kotters Acht-Stufen-Modell für die organisatorische und strategische Ebene und dem von Prosci entwickelten ADKAR-Modell für die individuelle Veränderung, die sich gut ergänzen. Ziel ist, dass Anwender die Veränderung nicht nur erdulden, sondern verstehen, akzeptieren und das System ab dem Go-Live tatsächlich produktiv nutzen.

Welche Phasen durchlaufen Mitarbeiter beim Wechsel auf ein neues ERP-System?

Veränderungsprozesse folgen häufig einer typischen Veränderungskurve, die auf das Modell von Kübler-Ross zurückgeht und in der Anwender mehrere emotionale Phasen durchlaufen: zunächst Verunsicherung oder Schock über die Ankündigung, dann Widerstand und das Festhalten am Gewohnten, gefolgt von einer Phase des Ausprobierens und schließlich Akzeptanz und Integration in den Arbeitsalltag. Widerstand ist dabei zunächst eine normale Schutzreaktion und macht sichtbar, wo Sorgen oder Wissenslücken bestehen, wobei die Phasen nicht zwingend linear verlaufen. Für Projektverantwortliche ist es hilfreich zu erkennen, in welcher Phase sich ein Team gerade befindet, weil jede Phase eine andere Reaktion erfordert. Frühe und ehrliche Kommunikation kann den anfänglichen Einbruch in Motivation und Produktivität abmildern und die Akzeptanzphase beschleunigen.

Was unterscheidet aktiven von passivem Widerstand und wie geht man damit um?

Aktiver Widerstand zeigt sich offen, etwa durch Kritik, Beschwerden oder das laute Infragestellen des Projekts, und ist damit zwar unbequem, aber gut erkennbar und ansprechbar. Passiver Widerstand verläuft verdeckt: Anwender nutzen das System nur halbherzig, pflegen Daten unvollständig, erscheinen nicht zu Schulungen oder weichen heimlich auf alte Excel-Listen und Workarounds aus, was die Datenqualität schleichend untergräbt. Aktiver Widerstand lässt sich oft durch direkten Dialog, ernst genommenes Feedback und das Aufgreifen berechtigter Einwände kanalisieren. Passiver Widerstand erfordert dagegen genaues Hinsehen, klare Verbindlichkeit bei der Nutzung sowie das Schließen der dahinterliegenden Wissens- oder Vertrauenslücken, beispielsweise durch Nachschulungen und sichtbare Unterstützung durch die Führungsebene.

Welche Rolle spielen Key-User im Change-Management einer ERP-Einführung?

Key-User, teils auch als Power- oder Super-User bezeichnet, sind ausgewählte Mitarbeitende aus den Fachabteilungen, die ihre Geschäftsprozesse besonders gut kennen und früh intensiv geschult werden, um zu internen Systemexperten zu werden. Sie wirken als Multiplikatoren und erste Anlaufstelle, übersetzen Fachsprache und Praxis ihrer Abteilung in den ERP-Kontext und geben ihr Wissen nach dem Train-the-Trainer-Prinzip an die übrigen Anwender weiter. Ihre Schulung beginnt in der Praxis oft Wochen bis Monate vor dem Go-Live, damit sie Schulungsunterlagen mit echten Beispielen und eigenen Daten aufbauen können. Weil Key-User aus dem eigenen Team stammen, genießen sie meist mehr Vertrauen als externe Berater und tragen damit wesentlich zur Akzeptanz im Kollegenkreis bei.

Wie sieht eine gute Kommunikation während eines ERP-Projekts aus?

Wirksame Projektkommunikation ist fortlaufend, transparent und beidseitig: Sie erklärt nicht nur, was sich wann ändert, sondern vor allem warum, und macht den Nutzen für die einzelnen Rollen greifbar. Reine Top-down-Information ohne Rückkanal führt erfahrungsgemäß zu Frustration und passivem Widerstand, weshalb auch Bottom-up-Feedback bewusst eingeplant werden sollte. Ein Kommunikationsplan legt fest, welche Botschaft zu welchem Zeitpunkt über welchen Kanal an welche Zielgruppe geht, und greift Sorgen frühzeitig auf, statt Gerüchte entstehen zu lassen. Sichtbar gemachte frühe Erfolge und das Einbeziehen der Führungskräfte als glaubwürdige Absender stärken zusätzlich das Vertrauen in das Projekt.

Wann sollte Change-Management in einem ERP-Projekt beginnen?

Change-Management sollte nicht erst kurz vor dem Go-Live, sondern bereits in der Vorbereitungs- und Auswahlphase einsetzen, wenn Ziele definiert und Stakeholder identifiziert werden. In dieser frühen Phase werden ein Change-Plan samt Risikoabschätzung erstellt, betroffene Abteilungen einbezogen und erste Schlüsselpersonen wie Key-User benannt, die das Projekt mittragen. Je früher Anwender verstehen, welche Veränderungen auf sie zukommen und welchen Nutzen das System bringt, desto geringer fällt der spätere Widerstand in der Regel aus. Die Begleitung endet nicht mit dem Go-Live, sondern setzt sich über Nachschulungen, Support und das gezielte Verankern der neuen Arbeitsweise fort, um Rückfälle in alte Routinen zu vermeiden.