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Häufig gestellte Fragen

Welche ERP-Systeme sind in der Türkei am weitesten verbreitet?

Eine aktuelle, belastbare Marktanteilsstatistik nach Stückzahlen oder Umsatz liegt für den türkischen ERP-Markt nicht öffentlich vor – die letzte frei zugängliche Erhebung stammt von IDC aus dem Jahr 2017 und wies für den Markt der Unternehmensanwendungen SAP mit 44,5 Prozent, Logo Yazılım mit 22,7 Prozent und Microsoft mit 8,2 Prozent aus. Im Großunternehmenssegment und bei Töchtern ausländischer Konzerne prägt SAP das Bild, unterstützt von einem breiten Partnernetz mit Häusern wie NTT Data Business Solutions und Detaysoft. Im KOBİ-Segment dominieren lokale Anbieter: Logo mit den Produktlinien Tiger, GO und Netsis, dazu Mikro Yazılım und Zirve aus der Mikrogrup, Nebim im Textil- und Modehandel, Uyumsoft, Workcube sowie das deutsch-türkische canias ERP von IAS. Am unteren Ende steht mit Paraşüt und Logo İşbaşı eine große Cloud-Vorbuchhaltungsbasis, aus der Anbieter ihre ERP-Neukunden ziehen.

Braucht eine türkische Tochter ein anderes ERP als die deutsche Zentrale?

Nicht zwingend, aber das System muss Anforderungen erfüllen, die ein für den DACH-Raum konfiguriertes ERP nicht mitbringt. Bücher und Aufzeichnungen sind nach Artikel 215 des Steuerverfahrensgesetzes VUK auf Türkisch und in Türkischer Lira zu führen, der Kontenrahmen ist mit dem Tekdüzen Hesap Planı gesetzlich vorgegeben und lässt sich nicht durch einen SKR03 oder SKR04 ersetzen, und jede pflichtige Rechnung muss als e-Fatura im Format UBL-TR über die Steuerverwaltung GİB laufen. Dazu kommen die Teil-Reverse-Charge-Logik der KDV-Tevkifat, die Kursdifferenz-Rechnung bei Fremdwährungsgeschäften und die zusammengeführte Lohn- und Sozialversicherungsmeldung MPHB. Als Architekturen kommen deshalb ein lokalisiertes Konzernsystem plus ein zugelassener Sonderintegrator für die e-Belege oder ein eigenes lokales System mit Konsolidierung in die Zentrale in Betracht; welche Variante deutsche Töchter überwiegend wählen, ist nicht belegt.

Gibt es in der Türkei eine E-Rechnungspflicht wie in Deutschland?

Ja, und sie ist deutlich weiter fortgeschritten und anders konstruiert als die deutsche. Unternehmen mit einem Bruttoumsatz ab 3 Mio. TL fallen in die e-Fatura-Pflicht, in E-Commerce sowie Immobilien- und Kfz-Handel bereits ab 500.000 TL; die Umstellung greift jeweils zum 1. Juli des Folgejahres. Anders als in Deutschland, wo die Rechnung nach der Norm EN 16931 direkt zwischen den Geschäftspartnern ausgetauscht wird, ist in der Türkei die Steuerverwaltung GİB technisch zwischengeschaltet – der Austausch läuft über das GİB-Portal, über einen zugelassenen Sonderintegrator oder über eine eigene Direktanbindung, und juristische Personen dürfen Belege nur mit einem Fiskalsiegel signieren. Nach GİB-Daten nutzten Ende 2025 rund 1,94 Mio. Steuerpflichtige e-Fatura und 2,19 Mio. das elektronische Buchführungsverfahren e-Defter, das seit dem 1. Januar 2025 für alle Bilanzierer gilt.

Was kostet ein ERP-Projekt im türkischen Mittelstand?

Belastbare Benchmarks für Projektdauer, Gesamtkosten und Beratungstagessätze im türkischen Mittelstand ließen sich in dieser Recherche nicht finden – eine regelmäßige Erhebung einer Beratung oder Anwendervereinigung, wie sie für die USA oder Deutschland vorliegt, konnten wir für die Türkei nicht ausfindig machen. Belegt sind dagegen die Lizenzpreise: Logo führt für Tiger 3 Enterprise ab dem 7. Januar 2026 ein Hauptpaket mit einem Nutzer für 817.900 TL ohne KDV, eine Erweiterung um zehn Nutzer kostet 1.293.800 TL mit gültigem Wartungsabo; Microsoft weist auf der türkischen Seite für Dynamics 365 Business Central 80 US-Dollar je Nutzer und Monat für Essentials aus, Odoo nennt für die Türkei 19,90 Euro je Nutzer und Monat im Standard-Tarif. Hinzu kommen die e-Belge-Module, das jährliche Wartungsabo und die Partnerleistungen für Einrichtung und Schulung, die in den Listenpreisen ausdrücklich nicht enthalten sind. Eine Besonderheit für deutsche Töchter: Deutsch ist bei Logo Tiger 3 Enterprise ein kostenpflichtiges Sprachpaket für 252.900 TL.