Zum Inhalt springen

Häufig gestellte Fragen

Welche ERP-Systeme sind in Südkorea am weitesten verbreitet?

Die einzige öffentlich zitierte Marktanteilsstatistik stammt von IDC Korea (한국IDC): Nach Neuverträgen lag SAP Ende 2023 bei 20,5 Prozent, der heimische Anbieter Douzone Bizon bei 16,6 Prozent, Younglimwon Softlab bei 5,5 Prozent und Oracle bei 3,9 Prozent; für 2022 wies dieselbe Reihe 52,1 Prozent „Sonstige“ aus. Eine ältere IDC-Reihe mit anderer Bemessungsbasis sah SAP 2020 bei 30,35 Prozent und Douzone bei 19,94 Prozent. SAP prägt die Chaebol-Konzerne, deren IT-Töchter Samsung SDS, LG CNS und SK C&C die Systeme einführen; im Mittelstand konkurrieren Douzone (Amaranth 10, iCUBE) und Younglimwon (K-System), bei Klein- und Kleinstunternehmen die Cloud-Angebote WEHAGO, Ecount und Kyungrinara von Webcash. Douzone zählte Ende 2025 rund 69.700 ERP-Kunden, Ecount nennt über 80.000 Kundenunternehmen für sein Cloud-ERP zu 40.000 Won im Monat.

Braucht eine südkoreanische Tochter ein anderes ERP als die deutsche Zentrale?

Nicht zwingend, aber die Lokalisierung ist umfangreicher als in den meisten europäischen Märkten. Das System muss die elektronische Steuerrechnung (전자세금계산서) mit Übermittlung an die Steuerbehörde bis zum Folgetag beherrschen, den Jahresabschluss in die amtlichen Standardformulare (표준재무제표) der Körperschaftsteuererklärung mappen, die Umsatzsteuer in Halbjahresperioden mit bis zu vier Meldungen abbilden und – falls Lohn im ERP läuft – den 209-Stunden-Monat, die 52-Stunden-Woche und den Jahresendausgleich (연말정산) abbilden, den lokale KMU-Systeme als Standardmodul führen. Konzerne lösen das über die koreanische Länderversion ihres SAP-Systems, meist eingeführt von Systemintegratoren wie Samsung SDS oder LG CNS; Microsoft liefert Business Central in Korea seit 2018 mit Schnittstelle zur Steuerbehörde aus. Mittelständler mit kleiner Tochter fahren häufig ein lokales System – Douzone, Younglimwon oder Ecount – und konsolidieren in die Zentrale. Alle Behördenformulare, Preislisten und Förderdokumente, die wir für diese Seite gesichtet haben, lagen ausschließlich auf Koreanisch vor.

Gibt es in Südkorea eine E-Rechnungspflicht wie in Deutschland?

Ja – und sie ist deutlich älter und strenger. Seit Januar 2011 müssen alle Kapitalgesellschaften ihre Steuerrechnungen elektronisch ausstellen und spätestens am Folgetag an die Steuerbehörde NTS (국세청) übermitteln; Einzelunternehmer folgen nach Vorjahresumsatz, seit dem 1. Juli 2024 bereits ab 80 Mio. Won (rund 51.000 Euro). Verstöße kosten 2 Prozent des Lieferwerts bei Nichtausstellung, 1 Prozent bei verspäteter oder Papierausstellung und 0,3 bis 0,5 Prozent bei verspäteter oder fehlender Übermittlung. 2023 liefen Steuerrechnungen über 4.302 Billionen Won durch das System. Deutschland kennt dagegen erst seit dem 1. Januar 2025 die Empfangspflicht und ab 2027 beziehungsweise 2028 die Sendepflicht im B2B – ohne dass eine Behörde jede Rechnung am Folgetag mitliest.

Was kostet ein ERP-Projekt im südkoreanischen Mittelstand?

Belastbare Projektbenchmarks wie in den USA gibt es für Korea nicht; die verfügbaren Zahlen stammen von Anbietern und Verbänden. Ein Anbieterblog (클로브, 2026) schätzt für kleine und mittlere Unternehmen mit Customizing mindestens sechs Monate und mindestens 100 Mio. Won (rund 63.800 Euro), für Großunternehmen mindestens 18 Monate. Bei den Lizenzen reicht die Spanne vom Cloud-ERP Ecount für 40.000 Won im Monat (rund 25,50 Euro, alle Module, unbegrenzte Nutzer) über Business Central mit 108.100 beziehungsweise 148.600 Won je Nutzer und Monat (rund 69 beziehungsweise 95 Euro) bis zu projektbasierten Angeboten für Amaranth 10, K-System Ace oder SAP Business One, für die es keine Listenpreise gibt. Für Beratertage gilt der amtlich veröffentlichte Durchschnittslohn der Software-Techniker als Kalkulationsbasis – 2025 etwa 562.993 Won (rund 359 Euro) je Tag für einen IT-Planer. Zum Vergleich nennt Trovarit für Deutschland rund 4.400 Euro je ERP-Arbeitsplatz und etwa zwölf Monate Projektdauer.