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Häufig gestellte Fragen

Welche ERP-Systeme sind in Großbritannien am weitesten verbreitet?

Eine belastbare Marktanteilsstatistik nach Umsatz oder Stückzahlen liegt für Großbritannien nicht öffentlich vor – weder Gartner noch IDC veröffentlichen frei zugängliche UK-Länderanteile, und Statista stellt seine UK-Zahlen hinter eine Bezahlschranke. Belegt sind dagegen die Größenordnungen der Anbieter: Sage aus Newcastle setzte im Geschäftsjahr 2025 in Großbritannien und Irland 554 Mio. Pfund um, Xero zählte im März 2026 rund 1,32 Mio. britische Kunden, und The Access Group aus Loughborough nennt über 160.000 kleine und mittlere Organisationen als Kundenbasis. Bei den internationalen Systemen ist Microsoft Dynamics 365 Business Central besonders sichtbar: Die Technologiedatenbank TheirStack erfasste 2026 rund 1.229 britische Anwenderunternehmen und damit den zweitgrößten Ländermarkt nach den USA. Im Großunternehmens- und Public-Sector-Segment prägen SAP, Oracle Fusion Cloud, Unit4 und Infor das Bild.

Braucht eine britische Tochter ein anderes ERP als die deutsche Zentrale?

Nicht zwingend, aber das System muss mehrere britische Eigenheiten sauber abbilden, die es im deutschen Standard nicht gibt. Dazu gehören Making Tax Digital – die VAT-Meldung muss seit April 2022 für alle registrierten Unternehmen aus einer Software heraus über die HMRC-Schnittstelle laufen, und HMRC erkennt ausdrücklich kein Kopieren und Einfügen als zulässige digitale Verknüpfung an –, die Lohnabrechnung nach dem Real-Time-Information-Verfahren mit einer Meldung an oder vor jedem Zahltag, sowie ein frei definierbarer Kontenrahmen, weil der Companies Act 2006 nur Bilanz- und GuV-Formate vorschreibt und kein Pendant zum SKR kennt. Große Konzerne lösen das über die UK-Ländervariante ihres Konzernsystems; kleinere Töchter können ein lokales System – etwa Business Central, Sage Intacct oder Access Financials – mit Konsolidierung in die deutsche Zentrale betreiben; belastbare Zahlen dazu, wie deutsche Töchter im Vereinigten Königreich tatsächlich entscheiden, liegen nicht vor. Entscheidend ist weniger die Marke als die Frage, wer die HMRC-Anbindung, die Payroll und die Companies-House-Einreichung verantwortet.

Gibt es in Großbritannien eine E-Rechnungspflicht wie in Deutschland?

Noch nicht, aber sie ist beschlossen. Nach einer Konsultation von HMRC und dem Department for Business and Trade zwischen dem 13. Februar und dem 7. Mai 2025 mit 342 Antworten kündigte die Regierung am 26. November 2025 eine verpflichtende E-Rechnung für alle VAT-Rechnungen ab 2029 an; eine Roadmap soll zum Budget 2026 folgen. Nach Einschätzung des schottischen Wirtschaftsprüferverbands ICAS startet die Pflicht im April 2029 für B2B und B2G, zunächst ohne Echtzeitmeldung an HMRC und ohne vorgeschriebenen Standard. Ob Peppol als zentrales Netz festgelegt wird, ist entgegen mehrerer Beraterveröffentlichungen auf gov.uk nicht belegt und bleibt offen. In Deutschland gilt dagegen seit dem 1. Januar 2025 bereits die Empfangspflicht und ab 2027 beziehungsweise 2028 die Sendepflicht – der britische Markt liegt hier rund vier Jahre hinter dem deutschen.

Was kostet ein ERP-Projekt im britischen Mittelstand?

Eine britische Benchmark-Erhebung zu Projektkosten und Projektdauern im Mid-Market liegt öffentlich nicht vor; die belastbaren Zahlen betreffen Lizenzen und Tagessätze. Microsoft nennt für Dynamics 365 Business Central in Großbritannien 61,50 Pfund je Nutzer und Monat für Essentials und 84,60 Pfund für Premium, jeweils jährlich abgerechnet und ohne VAT; Access Financials wird mit einem Richtpreis ab 10.508 Pfund im Jahr für ein Unternehmen mit 40 Beschäftigten beworben, während Sage Intacct, Sage 200 und NetSuite in Großbritannien gar keine Listenpreise veröffentlichen. Bei den Personalkosten liegt der Median-Tagessatz britischer ERP-Freelancer laut ITJobsWatch in den sechs Monaten bis zum 2. September 2026 bei 550 Pfund, für Dynamics-365-Spezialisten bei 500 Pfund, mit einem oberen Dezil zwischen 675 und 750 Pfund. Als Orientierung für die Gesamtinvestition bleibt nur die ältere Erhebung von Software Path aus 1.384 Auswahlprojekten mit durchschnittlich 9.000 US-Dollar Budget je Anwender, die allerdings international gemischt ist.