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Häufig gestellte Fragen

Welche ERP-Systeme sind in Australien am weitesten verbreitet?

Eine amtliche Marktanteilsstatistik für ERP gibt es in Australien nicht, die Größenordnungen sind aber gut belegt. Im Kleinunternehmenssegment ist die Cloud-Buchhaltung von Xero der faktische Standard: Der Anbieter zählte im Geschäftsjahr 2025 rund 2,6 Millionen Abonnenten in Australien und Neuseeland, Blog-Schätzungen sprechen von über 60 Prozent Marktanteil, gefolgt von MYOB, QuickBooks und Reckon. Im Mid-Market prägen MYOB Acumatica, Microsoft Dynamics 365 Business Central (unter anderem in der KPMG-Lokalisierung Wiise), Oracle NetSuite, Sage Intacct und der Melbourner Anbieter Pronto Software mit Pronto Xi das Bild. Im öffentlichen Sektor und an Hochschulen dominiert der Brisbaner SaaS-Anbieter TechnologyOne, während SAP vor allem in Konzernen und in der Bundesverwaltung vertreten ist.

Braucht eine australische Tochter ein anderes ERP als die deutsche Zentrale?

Nicht zwingend, aber die australische Lokalisierung muss mehr leisten als eine Sprach- und Währungsumstellung. Pflicht sind die Goods and Services Tax mit ihren drei Kategorien (steuerpflichtig, GST-free, input-taxed) und das Business Activity Statement, die Meldung jeder Lohnzahlung per Single Touch Payroll an die Steuerbehörde ATO, die Abführung der Superannuation binnen sieben Geschäftstagen ab dem 1. Juli 2026 sowie ein Steuerjahr, das am 1. Juli beginnt. Große Konzerne fahren dafür die Australien-Variante ihres Konzernsystems mit angekoppelter lokaler Payroll-Lösung; Mittelständler mit kleiner Tochter setzen häufig ein lokales Cloud-System wie Business Central, NetSuite, MYOB Acumatica oder Xero ein und konsolidieren in die Zentrale. Wegen der Zeitverschiebung von acht bis zehn Stunden zu Berlin bleibt für Support aus der Zentrale nur ein Fenster von ein bis zwei Stunden am Tag – ein Argument für Betreuung vor Ort.

Gibt es in Australien eine E-Rechnungspflicht wie in Deutschland?

Nein, jedenfalls nicht im B2B-Geschäft. Australien hat mit Peppol und der Spezifikation PINT A-NZ einen nationalen E-Rechnungsstandard, die Steuerbehörde ATO ist die australische Peppol Authority, und alle Bundesbehörden müssen seit dem 1. Juli 2022 Peppol-Rechnungen empfangen können. Ein Zwang für Unternehmen, elektronisch zu senden oder zu empfangen, wurde jedoch nicht beschlossen: Die Treasury-Konsultation zu einem Business eInvoicing Right lief 2021/22 aus, ohne dass ein Gesetz folgte; einzelne Dienstleister behaupten dennoch eine Annahmepflicht ab dem 1. Juli 2025, was die Fachquellen Fonoa und ecosio nicht bestätigen. In Deutschland gilt dagegen seit dem 1. Januar 2025 die Empfangspflicht und ab 2027 beziehungsweise 2028 die Sendepflicht für inländische B2B-Rechnungen.

Was kostet ein ERP-Projekt im australischen Mittelstand?

Öffentliche Preislisten gibt es nur für die Kleinunternehmens-Cloud und für Business Central, alles andere sind Partnerangaben. Xero kostet in Australien je nach Plan 37 bis 143 AUD im Monat, MYOB Business 26,25 bis 165 AUD, Business Central laut Microsoft-Liste 119,70 AUD (Essentials) beziehungsweise 164,60 AUD (Premium) je Nutzer und Monat. Für ein Mid-Market-Projekt nennen die Implementierungspartner Velacore und Exo Digital eine Gesamtinvestition von 150.000 bis 500.000 AUD im ersten Jahr bei sechs bis zwölf Monaten Laufzeit und laufendem Support von 15 bis 20 Prozent der jährlichen Softwarekosten; Pronto Xi wird mit 50.000 bis 150.000 AUD, NetSuite je nach Partner mit 10.000 bis 150.000 AUD Implementierungsaufwand angesetzt. Dazu kommen jährliche Preiserhöhungen zum 1. Juli – Xero hob seine Pläne 2026 um 4 bis 10 Prozent an – und Beratertagessätze von 830 bis 1.140 AUD im SAP-Umfeld.