Die Einführung eines ERP-Systems ist eine Investition — und kann unter Umständen gefördert werden. Die Förderlandschaft hat sich allerdings stark verändert: Die großen Bundesprogramme sind ausgelaufen, der Fokus liegt heute auf Länder-Zuschüssen, Förderkrediten und kostenloser Beratung. Dieser Überblick zeigt die aktuellen Förderwege (Stand: Mai 2026).
ERP-Förderung 2026: Ablauf, förderfähige Kosten und Fristen für KMU im Überblick · Quelle: erp-software.org Redaktion
Wichtig: Die Bundesprogramme sind ausgelaufen
Digital Jetzt: der BMWK-Investitionszuschuss endete zum 31.12.2023 — keine Neuanträge mehr.
go-digital: der Beratungszuschuss lief zum 31.12.2024 aus (Haushaltslage).
Wer im Netz noch auf diese Programme stößt: Sie sind Geschichte. Die folgenden Wege sind die aktuellen Alternativen.
Länder-Digitalboni – der wichtigste Weg
Direkte Investitions-Zuschüsse laufen heute fast ausschließlich über die Bundesländer. Die Programme unterscheiden sich je Land in Höhe und Förderquote, z. B.:
Bayern (Digitalbonus): bis 7.500 € (Standard) bzw. 30.000 € (Plus), rund 50 % Förderquote
Thüringen (Digitalbonus): Förderung digitaler Technologien, bis ca. 15.000 €
weitere Länder: eigene Digitalbonus-/Digitalisierungs-Programme mit unterschiedlichen Konditionen
Da sich diese Programme häufig ändern, lohnt der Blick in die Förderdatenbank des Bundes (foerderdatenbank.de), gefiltert nach Bundesland und Thema „Digitalisierung“.
KfW-Förderkredite
Seit Juli 2025 lassen sich die zinsgünstigen KfW-Förderkredite auch für Digitalisierungs- und damit ERP-Vorhaben nutzen. Hinweis zur Begriffs-Verwechslung: Die KfW-Programmfamilie heißt teils selbst „ERP“ — das steht dort für European Recovery Programme und hat nichts mit Enterprise Resource Planning zu tun. Gemeint ist ein günstiger Investitionskredit, kein Zuschuss.
Kostenlose Beratung & Weiterbildung
Mittelstand-Digital Zentren: rund 30 vom Bund finanzierte Zentren bieten kostenlose Workshops, Demonstratoren und Einzelberatung — die offizielle Nachfolge-Struktur der ausgelaufenen Programme.
Qualifizierungschancengesetz / Bildungsgutschein: Mitarbeiter-Weiterbildung rund um Digitalisierung und KI ist förderfähig, teils bis 100 %.
Bevor Sie investieren, lohnt sich auch ein realistischer Blick auf die Gesamtkosten: ERP-Kosten-Übersicht.
So läuft der Antrag ab – Schritt für Schritt
Wer einen Landes-Digitalbonus oder einen anderen Zuschuss für ein ERP-Projekt nutzen will, muss eine feste Reihenfolge einhalten. Der häufigste und teuerste Fehler ist der vorzeitige Maßnahmenbeginn: Bereits eine rechtsverbindliche Bestellung oder ein unterschriebener Dienstleistungsvertrag gilt als Vorhabenbeginn – und führt in der Regel zum vollständigen Förderverlust ohne Ausnahme.
Programm prüfen: Zuständige Förderbank und Richtlinie des Bundeslandes recherchieren, etwa über die Förderdatenbank des Bundes.
Angebote einholen: Kostenvoranschläge für Lizenzen, Einführung und Schulung sammeln – aber noch nichts beauftragen.
Antrag stellen: Online-Formular ausfüllen, meist mit Authentifizierung über das ELSTER-Unternehmenskonto. Bei mehreren Ländern startet das Monatskontingent zu festen Terminen, etwa um 10:00 Uhr am ersten Werktag.
Bewilligung abwarten: Erst nach dem Zuwendungsbescheid darf bestellt werden.
Umsetzen und abrechnen: Auszahlung erfolgt nach vollständiger Durchführung, häufig innerhalb eines Bewilligungszeitraums von rund sechs Monaten.
Vorhandene De-minimis-Beihilfen der letzten drei Jahre müssen angegeben werden; die Obergrenze liegt seit 2024 bei 300.000 Euro je Unternehmen über drei Steuerjahre.
Welche ERP-Kosten förderfähig sind
Nicht jeder Posten eines ERP-Projekts ist zuschussfähig. Förderprogramme zielen auf nachweisbare Digitalisierungsfortschritte, nicht auf laufenden Betrieb. In der Praxis gelten meist folgende Abgrenzungen:
Förderfähig: Software-Lizenzen oder Einrichtungsgebühren von Cloud-Lösungen, externe Einführungs- und Beratungsleistungen, Datenmigration, Schnittstellen sowie projektbezogene Mitarbeiterschulungen.
Oft nicht förderfähig: laufende Abo-Gebühren über die Projektlaufzeit hinaus, Standard-Hardware ohne Digitalisierungsbezug, interne Personalkosten und Umsatzsteuer bei vorsteuerabzugsberechtigten Betrieben.
Förderquoten liegen je nach Land typischerweise zwischen 30 und 60 Prozent. Beträge reichen vom pauschalen Zuschuss von rund 3.000 Euro bis zu 30.000 Euro für Vorhaben mit besonderem Innovationsgehalt. Details regelt die jeweilige Kostenstruktur des Projekts und die Landesrichtlinie.
Praxis-Checkliste vor der Antragstellung
Diese Punkte sollten kleine und mittlere Unternehmen klären, bevor sie einen Förderantrag absenden:
Erfüllt der Betrieb die KMU-Schwellen (häufig unter 50 Beschäftigte und unter 10 Millionen Euro Umsatz für kleine Unternehmen)?
Liegt die Betriebsstätte im fördernden Bundesland und wird das System dort eingesetzt?
Ist das verbleibende De-minimis-Budget ausreichend?
Liegen Vergleichsangebote vor, ohne dass bereits beauftragt wurde?
Ist das Vorhaben technologisch klar als Digitalisierungsschritt beschrieben?
Teilweise ja. Die großen Bundesprogramme sind ausgelaufen, aber Länder-Digitalboni, zinsgünstige KfW-Förderkredite und kostenlose Beratung über die Mittelstand-Digital Zentren stehen weiter zur Verfügung (Stand Mai 2026).
Gibt es Digital Jetzt und go-digital noch?
Nein. Digital Jetzt endete zum 31.12.2023, go-digital zum 31.12.2024. Beide Bundesprogramme nehmen keine Neuanträge mehr an. Aktuelle Förderung läuft vor allem über die Bundesländer und die KfW.
Wo finde ich aktuelle ERP-Förderprogramme?
Der zentrale Einstieg ist die Förderdatenbank des Bundes (foerderdatenbank.de), gefiltert nach Bundesland und Thema Digitalisierung. Zusätzlich beraten die Mittelstand-Digital Zentren kostenlos.
Wie hoch ist ein Digitalbonus der Länder?
Das variiert je Bundesland. Bayern fördert z. B. bis 7.500 € (Standard) bzw. 30.000 € (Plus) bei rund 50 % Quote, andere Länder haben eigene Konditionen. Die Programme ändern sich häufig — die Förderdatenbank zeigt den aktuellen Stand.
Was ist der KfW-ERP-Kredit?
Das ist ein zinsgünstiger Investitionskredit der KfW. Das „ERP“ steht hier für European Recovery Programme, nicht für Enterprise Resource Planning. Seit Juli 2025 sind damit auch Digitalisierungs- und ERP-Vorhaben finanzierbar — als Kredit, nicht als Zuschuss.