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Häufig gestellte Fragen

Welche ERP-Systeme sind in Mexiko am weitesten verbreitet?

Eine belastbare Marktanteilsstatistik nach Anbietern gibt es für Mexiko nicht – weder IDC México noch Select veröffentlichen ihre ERP-Zahlen frei. Aus den Eigenangaben der Hersteller lässt sich die Struktur aber gut ablesen: Im Kleinst- und KMU-Segment prägen mexikanische Anbieter wie CONTPAQi (nach eigener Angabe 1,2 Millionen Nutzerunternehmen), Siigo Aspel (nach eigener Angabe über eine Million digitalisierte KMU) und Microsip (über 36.000 Kundenunternehmen, 2026) das Bild, ergänzt um Cloud-Anbieter wie Alegra, Bind ERP und Odoo, das in Mexiko nach eigenen Angaben rund 9.000 Implementierungen im Jahr zählt. Konzerntöchter und große nationale Unternehmen laufen typischerweise auf SAP S/4HANA, Oracle oder Microsoft Dynamics 365, die das Fachportal erp.com.mx als die Systeme mit hoher Präsenz und lokalem Support beschreibt. Dazwischen liegen SAP Business One, Business Central, NetSuite, Intelisis und TOTVS.

Braucht eine mexikanische Tochter ein anderes ERP als die deutsche Zentrale?

Nicht zwingend, aber das System muss die mexikanische Steuerlogik vollständig abbilden: jede Rechnung, jede Zahlung, jede Lohnabrechnung und jeder Warentransport wird als CFDI 4.0 über einen autorisierten Zertifizierungsdienstleister (PAC) beim Finanzamt SAT gestempelt, dazu kommen die monatliche elektronische Buchführung mit SAT-Kontenschlüsseln, Quellensteuern im Rechnungsbeleg und bei Exportfertigern das Bestandskontrollsystem nach Anexo 24. Große deutsche Konzerne lösen das über die Mexiko-Lokalisierung ihres Konzernsystems, bei SAP etwa über SAP Document and Reporting Compliance oder Drittanbieter wie Edicom. Für Mittelständler mit einer kleineren Tochter ist nach unserer redaktionellen Einschätzung ein Zwei-Systeme-Modell mit einem lokal zertifizierten System vor Ort und Konsolidierung in die Zentrale eine verbreitete Option – eine belegte Statistik dazu gibt es für Mexiko nicht. Entscheidend ist weniger die Marke als die Frage, wer CFDI-Komplemente, Contabilidad electrónica und Nómina-Belege verantwortet und aktuell hält.

Gibt es in Mexiko eine E-Rechnungspflicht wie in Deutschland?

Ja – und sie ist deutlich weiter gefasst als das deutsche Modell. Die elektronische Rechnung CFDI ist in Mexiko für alle Steuerpflichtigen verpflichtend, seit dem 1. April 2023 ausschließlich in Version 4.0, und sie wird nicht nur ausgetauscht, sondern vor der Ausstellung von einem autorisierten Dienstleister (PAC) im Auftrag der Steuerbehörde SAT zertifiziert. Die Pflicht umfasst auch Zahlungsbelege (Complemento de Pagos), Lohnabrechnungen (CFDI de Nómina) und Frachtdokumente (Complemento Carta Porte); 2023 wurden laut SAT über 10,3 Milliarden CFDI ausgestellt. In Deutschland gilt dagegen erst seit dem 1. Januar 2025 die Empfangspflicht und ab 2027 beziehungsweise 2028 die Sendepflicht für inländische B2B-Rechnungen, ohne staatliche Vorab-Zertifizierung.

Was kostet ein ERP-Projekt im mexikanischen Mittelstand?

Öffentliche Benchmarks gibt es nur für einzelne Produkte, und sie stammen von Implementierungspartnern. Für SAP Business One nennt das Beratungshaus Distrito Emprendedor (Stand Juli 2026) Implementierungskosten von 400.000 bis über 1.500.000 mexikanischen Pesos, ein Gesamtbudget im ersten Jahr von 800.000 bis 2.500.000 Pesos und drei bis fünf Monate Projektdauer, bei Fertigung oder komplexer Migration sechs bis neun Monate. Die Lizenzen selbst sind vergleichsweise günstig: Aspel SAE kostet laut Listenpreis rund 9.248 Pesos im Jahr, Microsip-Module werden ab 195 Pesos monatlich vermietet, Odoo Enterprise liegt laut Partnern bei 180 bis 228 Pesos je Nutzer und Monat, Business Central bei 80 beziehungsweise 110 US-Dollar je Nutzer und Monat. Zum Vergleich liegen deutsche Faustzahlen bei rund 4.400 bis 6.000 Euro je ERP-Arbeitsplatz und etwa zwölf Monaten Projektdauer.