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Häufig gestellte Fragen

Welche ERP-Systeme sind in Kanada am weitesten verbreitet?

Eine belastbare Marktanteilsstatistik je Anbieter gibt es für Kanada nicht; weder SAP, Oracle noch Microsoft veröffentlichen Kundenzahlen für das Land. Qualitativ ist das Bild aber klar: Im Großunternehmenssegment, bei Banken in Toronto, Öl- und Gaskonzernen in Calgary und Bergbauunternehmen in Vancouver dominiert SAP, für das ein Partnerverzeichnis über 3.500 Installationen in Kanada zählt. Im Mittelstand prägen Microsoft Dynamics 365 Business Central, Oracle NetSuite und Sage (Intacct, Sage 300) das Bild, ergänzt um Infor, Workday und Epicor. Bei Kleinunternehmen führt QuickBooks mit 53 Prozent vor Sage mit 17 und Xero mit 8 Prozent (Zenbooks-Studie 2026, 500 Befragte); in Québec kommt mit Acomba ein eigener Anbieter hinzu, der nach eigenen Angaben von mehr als 40.000 Unternehmen genutzt wird.

Braucht eine kanadische Tochter ein anderes ERP als die deutsche Zentrale?

Nicht zwingend, aber das System muss die kanadischen Besonderheiten sauber abbilden. Dazu gehören die vier Verbrauchsteuermodelle GST, HST, PST und QST mit Steuersatz nach Lieferort, eine Lohnabrechnung mit Meldungen an die Bundesbehörde CRA und in Québec zusätzlich an Revenu Québec, die Pflicht zur Aufbewahrung der Bücher in Kanada und in Québec eine französischsprachige Software-Oberfläche ab 25 Beschäftigten. Große Konzerne lösen das meist über die kanadische Ländervariante ihres Konzernsystems, Mittelständler mit kleiner Tochter häufig über Business Central oder NetSuite vor Ort mit Konsolidierung in die deutsche Zentrale. Belastbare Studien dazu, wie kanadische Töchter deutscher Unternehmen tatsächlich entscheiden, liegen allerdings nicht vor.

Gibt es in Kanada eine E-Rechnungspflicht wie in Deutschland?

Nein. Kanada kennt weder auf Bundes- noch auf Provinzebene eine E-Rechnungspflicht im B2B- oder B2C-Geschäft, es gibt keine kanadische Peppol-Behörde und kein nationales Identifikationsschema. Die Steuerbehörde CRA akzeptiert elektronische Rechnungen in jedem Format, solange die Pflichtangaben enthalten sind und die Belege bei einer Prüfung vorgelegt werden können; nur Rechnungen an die Bundesbeschaffung müssen im Peppol-BIS- oder UBL-Format über SAP Ariba oder einen zertifizierten Access Point eingereicht werden. Deutschland ist hier deutlich weiter: Seit dem 1. Januar 2025 gilt die Empfangspflicht, ab 2027 beziehungsweise 2028 die Sendepflicht für inländische B2B-Rechnungen. Dafür verlangt Kanada, dass Bücher und Belege sechs Jahre lang im Land aufbewahrt werden – Server im Ausland brauchen eine schriftliche Genehmigung der CRA.

Was kostet ein ERP-Projekt im kanadischen Mittelstand?

Offizielle Benchmarks gibt es nicht, die verfügbaren Zahlen stammen von kanadischen Implementierungspartnern und sind entsprechend als Schätzungen zu lesen. Econix Infotech und Cyberlobe nennen für Mid-Market-Projekte 75.000 bis 200.000 kanadische Dollar an Implementierungsleistungen und 25.000 bis 95.000 kanadische Dollar Lizenzkosten pro Jahr; ein Fertiger mit 200 Beschäftigten auf Epicor Kinetic oder Dynamics 365 liegt demnach bei 200.000 bis 500.000 kanadischen Dollar, ein Cloud-Projekt mit NetSuite, Sage Intacct oder Acumatica bei 50.000 bis 150.000. Bei den Lizenzen ist Business Central mit 108,50 beziehungsweise 149,20 kanadischen Dollar je Nutzer und Monat die transparenteste Größe, NetSuite-Partner kalkulieren 50.000 bis 200.000 kanadische Dollar im ersten Jahr. Beraterstunden kosten laut NetSuite-Preisführern 150 bis 350 US-Dollar; die Preise der US-Anbieter werden in Kanada aus den US-Listen abgeleitet.