Ein PIM (Product Information Management) ist ein System für die zentrale Pflege von Produktdaten – Texte, Bilder, technische Spezifikationen, Klassifikationen, Marketingbeschreibungen. PIM-Systeme stehen typischerweise zwischen ERP (Stammdaten und Bewegungen) und Vertriebskanälen (Webshop, Marktplatz, Print, App).
Wann sich ein PIM lohnt
Faustregel: ab etwa 5.000 SKUs in mehreren Vertriebskanälen oder bei intensiver Mehrsprachigkeit. Im E-Commerce und im technischen Großhandel ist PIM oft unverzichtbar. Mehr zur Multichannel-Logik im Beitrag ERP für Multichannel.
PIM-Anbieter
Marktführer sind Akeneo, Pimcore, Contentserv, inriver, Stibo Step, Salsify und Riversand. Viele Anbieter setzen ergänzend auf DAM (Digital Asset Management) für Bilder und Videos.
PIM oder ERP-Stammdaten?
Im ERP gehören wirtschaftliche Stammdaten (Preis, Beschaffung, Disposition). Im PIM gehören Marketing-Daten und Kanalinformationen. Eine saubere Datenarchitektur trennt beides klar und nutzt das ERP als Master für Stammdaten und das PIM als Master für Marketinginformationen.
Praxis-Beispiel
Ein Großhändler verwaltet 80.000 Artikel mit jeweils 30+ Attributen — Maße, Materialien, Zertifikate, Bilder, Texte in 5 Sprachen. Im PIM-System (Product Information Management) liegt diese Stammdaten-Tiefe zentral, das ERP zieht für die Faktura nur Schlüsselfelder. Über das PIM werden gleichzeitig der Online-Shop, Marktplätze und Print-Kataloge versorgt — alle aus derselben Quelle. Ohne PIM würden gleiche Daten in 5 verschiedenen Systemen gepflegt mit entsprechenden Inkonsistenzen.
Brauche ich PIM oder reicht das ERP-Artikelstamm? ERP-Stamm reicht bei wenigen Attributen und einem Verkaufskanal. Ab 20+ Attributen pro Artikel oder 3+ Vertriebskanälen wird PIM klar wirtschaftlich. Welche PIM-Systeme sind im DACH verbreitet? Akeneo (Open-Source), Pimcore, Salsify, Stibo Systems, contentserv. Mittelständler nutzen oft Akeneo Community Edition oder Pimcore.
Meist nicht. Bei sehr intensiver Mehrsprachigkeit oder mehreren Marktplätzen kann es trotzdem sinnvoll sein.
In der Praxis variiert die genaue Ausgestaltung je nach Branche, Größenklasse und Customizing-Tiefe des konkreten ERP-Setups.
Was kostet ein PIM?
Cloud-PIMs ab 1.500 EUR pro Monat (Akeneo, Salsify Cloud), Enterprise-PIMs 50.000–500.000 EUR Implementierung.
Lizenzgebühren machen typisch nur 25-35 % der Gesamtprojektkosten aus, die restlichen 65-75 % entstehen für Implementation, Customizing, Schulung und Datenmigration.
Cloud-Modelle reduzieren die initialen Investitionen, verschieben Kosten aber dauerhaft in die laufenden Betriebsausgaben.