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Häufig gestellte Fragen

Welche ERP-Systeme sind in Spanien am weitesten verbreitet?

Eine belastbare Marktanteilsstatistik nach Stückzahlen liegt für Spanien nicht öffentlich vor – weder das Statistikamt INE noch die spanischen Analystenhäuser veröffentlichen eine solche Erhebung, und die im Netz kursierenden Anteilslisten nennen keinen Herausgeber. Belegt sind dagegen die Größenordnungen der Anbieterseite: Im Großunternehmenssegment prägt SAP das Bild, dessen spanischer Anwenderverband AUSAPE 2024 649 Mitglieder zählte und 2026 652 ausweist; im Mittelstand konkurrieren Sage, Wolters Kluwer mit der a3-Linie, Cegid mit Ekon und der früheren Grupo Primavera, Zucchetti Spain mit Solmicro sowie Microsoft Dynamics 365 Business Central über ein reines Partnernetz. Im Klein- und Autónomo-Segment dominieren Cloud-Buchhaltungslösungen wie Holded, das nach eigenen Angaben über 900.000 Nutzer zählt, und Odoo, das in Spanien 107 gelistete Partner hat. Die spanische Besonderheit ist die Fragmentierung: Nach einer Schätzung der Grupo Primavera aus dem Jahr 2022 hielten die großen Multinationals zusammen nur rund ein Viertel bis maximal 30 Prozent des iberischen Markts für Unternehmenssoftware.

Braucht eine spanische Tochtergesellschaft ein anderes ERP als die deutsche Zentrale?

Nicht zwingend, aber das System muss vier spanische Pflichtbausteine sauber abbilden. Erstens den Kontenrahmen des Plan General de Contabilidad nach Real Decreto 1514/2007, der mit neun Kontengruppen und eigener Nummernlogik nichts mit den deutschen SKR-Rahmen zu tun hat. Zweitens die indirekte Besteuerung mit IVA im territorio común, IGIC auf den Kanaren und IPSI in Ceuta und Melilla, dazu Sonderregime wie den recargo de equivalencia und die Quellensteuer-Kennzeichen für Eingangsrechnungen von Freiberuflern und Vermietern. Drittens die Fakturierungspflichten: VeriFactu ab 2027, das laufende SII-Register für Unternehmen ab 6.010.121,04 Euro Umsatz und TicketBAI beziehungsweise Batuz für Standorte im Baskenland. Viertens die Lohnabrechnung, die über das Sistema RED der Seguridad Social läuft und nach dem Anbieter-Setup (Sage Despachos, a3asesor, Holded-Kanzleizugang) typischerweise bei einer gestoría oder auf spezialisierter Kanzleisoftware liegt – eine belastbare Quote dafür ist nicht verfügbar. Belastbare Zahlen dazu, wie oft Konzerne die Spanien-Lokalisierung ihres Konzernsystems nutzen und wie oft Töchter eine lokale Lösung mit Konsolidierung in die Zentrale fahren, gibt es ebenfalls nicht; beide Wege sind gangbar, sofern sie diese vier Bausteine abdecken.

Wie unterscheidet sich die E-Rechnungspflicht in Spanien von der deutschen?

Spanien reguliert nicht nur das Rechnungsformat, sondern die Software selbst. Gegenüber der öffentlichen Hand gilt die E-Rechnung schon seit dem 15. Januar 2015 im Format Facturae 3.2 über das Portal FACe, also zehn Jahre früher als die deutsche B2B-Empfangspflicht. Für den B2B-Verkehr hat das Gesetz Ley 18/2022 die Pflicht beschlossen und die Durchführungsverordnung Real Decreto 238/2026 sie am 20. April 2026 konkretisiert; die Fristen von zwölf beziehungsweise 24 Monaten laufen aber erst ab einer bisher nicht im BOE veröffentlichten Orden ministerial, deren Entwurf vom 17. April 2026 auf ein Inkrafttreten zum 1. Oktober 2026 zielt. Parallel dazu verlangt die VeriFactu-Verordnung Real Decreto 1007/2023, dass Fakturierungssoftware Datensätze per SHA-256 verkettet, unveränderbar protokolliert und einen QR-Code auf jede Rechnung druckt – mit Bußgeldern bis 150.000 Euro pro Jahr für Hersteller nicht konformer Software. Ein deutsches XRechnung- oder ZUGFeRD-Modul deckt davon nichts ab.

Was kostet ein ERP-Projekt im spanischen Mittelstand?

Für Projektkosten im spanischen Mittelstand gibt es keine der deutschen Trovarit-Erhebung vergleichbare öffentliche Benchmark-Studie – diese Lücke benennen wir offen, statt Zahlen zu schätzen. Belegbar sind die Listenpreise der Cloud-Anbieter: Microsoft Dynamics 365 Business Central kostet in Spanien 69,30 Euro je Nutzer und Monat in der Edition Essentials und 95,30 Euro in Premium, Odoo verlangt 19,90 Euro je Nutzer und Monat im Standard-Plan, Holded ruft je nach Paket 15 bis 199 Euro im Monat auf, jeweils ohne IVA. Der zweite Kostenblock, die Beratung, liegt deutlich unter deutschem Niveau: SAP-Berater verdienen in Spanien laut Indeed im Durchschnitt 43.621 Euro im Jahr gegenüber 82.148 Euro in Deutschland, also rund 47 Prozent weniger. Für die Kalkulation heißt das: Die Lizenzseite ist in beiden Ländern ähnlich teuer, die Dienstleistungsseite in Spanien spürbar günstiger.