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Häufig gestellte Fragen

Welche ERP-Systeme sind in den Niederlanden am weitesten verbreitet?

Eine belastbare Marktanteilsstatistik nach Stückzahlen liegt für die Niederlande nicht öffentlich vor; die letzte auffindbare Erhebung stammt von Computer Profile aus dem Jahr 2011 und sah bei Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten SAP vor Exact, Microsoft, Infor und Oracle. Belegbar sind dagegen die Reichweiten einzelner Anbieter: AFAS Software meldet für 2025 12.423 Kunden und 356 Mio. Euro Umsatz, Exact nennt für seine Buchhaltungslinie über 675.000 Unternehmen, und Unit4 ist auf Professional Services, Bildung und den öffentlichen Sektor spezialisiert. International prägen SAP mit der Anwendergruppe VNSG, Microsoft Dynamics 365 Business Central über ein dichtes Partnernetz sowie Odoo mit 48 zertifizierten Partnern im Land das Bild. In der Fertigung kommen niederländische Spezialisten wie Isah aus Tilburg und Ridder iQ des US-Konzerns ECI hinzu.

Braucht eine niederländische Tochter ein anderes ERP als die deutsche Zentrale?

Nicht zwingend, aber das System muss drei niederländische Eigenheiten sauber abbilden: die btw mit den Sätzen 21, 9 und 0 Prozent samt quartalsweiser Selbstveranlagung, die Hinterlegung des Jahresabschlusses bei der Handelskammer KVK im XBRL-Format über Standard Business Reporting, und den Rechnungsausgang über Peppol beziehungsweise die nationale Syntax SI-UBL 2.0 an öffentliche Auftraggeber. Hinzu kommt das Referentie Grootboekschema, eine standardisierte Kontencodierung, die die Brücke zwischen Hauptbuch und den Meldungen an KVK, Belastingdienst und CBS schlägt – ein deutscher SKR-Kontenrahmen muss dafür gemappt werden. In der Praxis sind zwei Muster denkbar, für die es aber keine Erhebung gibt: die niederländische Ländervariante des Konzernsystems mit ausgelagerter Lohnabrechnung, oder ein lokales Paket wie AFAS oder Exact in der Tochter mit Konsolidierung in die Zentrale. Belastbare Zahlen dazu, wie sich deutsche Töchter in den Niederlanden tatsächlich entscheiden, sind öffentlich nicht verfügbar.

Gibt es in den Niederlanden eine E-Rechnungspflicht wie in Deutschland?

Nur gegenüber der öffentlichen Hand, nicht im B2B. Lieferanten der Rijksoverheid müssen elektronisch fakturieren – über das Peppol-Netz, über Digipoort oder über das Lieferantenportal –, und auch dezentrale Stellen wie Gemeinden, Provinzen und Wasserverbände sind gesetzlich verpflichtet, E-Rechnungen empfangen und verarbeiten zu können. Ein nationales B2B-Mandat ist auf den Behördenseiten mit Stand September 2026 nicht gelistet; die einschlägige Übersicht der kommenden Steuergesetzesänderungen auf Ondernemersplein enthält keinen entsprechenden Eintrag. Das EU-Paket ViDA erlaubt den Mitgliedstaaten seit dem 14. April 2025, nationale E-Rechnungspflichten ohne Ausnahmegenehmigung einzuführen, und schreibt für grenzüberschreitende B2B-Umsätze ab dem 1. Juli 2030 digitale Meldepflichten vor. In Deutschland gilt dagegen bereits seit dem 1. Januar 2025 die Empfangspflicht, die Ausstellungspflicht folgt gestaffelt 2027 und 2028.

Was kostet ein ERP-Projekt im niederländischen Mittelstand?

Für die Niederlande existiert keine öffentliche Projektkosten-Benchmark, wie sie Trovarit für den deutschsprachigen Raum liefert – weder zu typischen Projektlaufzeiten noch zum Verhältnis von Lizenz- und Dienstleistungsanteil noch zu Beraterstundensätzen; diese Lücke benennen wir hier ausdrücklich. Belegbar sind ausschließlich die Listenpreise der Software: Microsoft Dynamics 365 Business Central kostet in den Niederlanden 69,30 Euro je Nutzer und Monat in der Essentials- und 95,30 Euro in der Premium-Variante bei Jahresabrechnung, Odoo Online liegt je nach Abrechnungsrhythmus zwischen 19,90 und 37,40 Euro je Nutzer und Monat, und AFAS nennt 59 Euro monatlich für sein Kleinunternehmerpaket, während der Preis für die ERP-Linie von der Mitarbeiterzahl abhängt und nicht veröffentlicht wird. Auf der Personalseite gibt Indeed für ERP-Berater in den Niederlanden ein durchschnittliches Bruttomonatsgehalt von 3.970 Euro an, basierend auf 334 Selbstauskünften mit einer Spanne von 2.832 bis 5.567 Euro. Als Orientierung für die Gesamtkosten bleiben damit nur die deutschen Faustzahlen von rund 4.400 Euro Investition je ERP-Arbeitsplatz und etwa zwölf Monaten Projektdauer, die auf die Niederlande nicht ungeprüft übertragbar sind.