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Häufig gestellte Fragen

Wird DATEV Mittelstand eingestellt und ab wann?

DATEV hat keinen pauschalen End-of-Life-Termin für die gesamte Mittelstand-Linie genannt, verfolgt aber eine Cloud-Strategie, in deren Rahmen einzelne On-Premises-Produkte schrittweise auslaufen. Konkret abgekündigt sind DATEV Mittelstand Faktura (ohne Rechnungswesen, Artikel-Nr. 93600) sowie die Variante ITU (93500) zum 31. Dezember 2026; Entwicklung, Pflege und Support enden zu diesem Datum, und auch der damit verbundene Vertrag für DATEV Unternehmen online wird beendet. Als Nachfolger positioniert DATEV die Cloud-Anwendung DATEV Auftragswesen next, während die Pakete mit Rechnungswesen-Lösung (compact, Standard, pro) von dieser Abkündigung ausdrücklich nicht betroffen sind und weiter gepflegt werden. Wer auf DATEV Mittelstand läuft, sollte daher zuerst prüfen, welche Variante im Einsatz ist, und den Migrationspfad anschließend strategisch und nicht überstürzt planen.

Können wir trotz Wechsel weiter mit unserem DATEV-Steuerberater arbeiten?

Ja, die Zusammenarbeit mit der DATEV-Steuerkanzlei bleibt auch nach einem Wechsel auf Microsoft Dynamics 365 Business Central oder Sage 100 erhalten, da beide Zielsysteme Buchungssätze, Stammdaten und Belegbilder im DATEV-Format an die Kanzlei übergeben können. Bei Business Central erfolgt das über Microsoft-zertifizierte DATEV-Schnittstellen spezialisierter Drittanbieter (etwa SNC DATEV, SIEVERS-GROUP oder 365Performance), die die Daten ins DATEV-pro- beziehungsweise DATEV-CSV-Format exportieren. Bei Sage 100 steht die DATEV- beziehungsweise DATEV-Unternehmen-online-Anbindung zur Verfügung, die sich um die Beleg- und Bildübergabe per Zusatzmodul erweitern lässt. Wichtig ist, dass nur das Quellsystem wechselt – die Belegübergabe an die DATEV-Kanzlei-Software läuft weiter, sollte aber hinsichtlich Kontenrahmen und Buchungsschlüsseln frühzeitig mit der Kanzlei abgestimmt werden.

Was kostet ein Wechsel von DATEV Mittelstand auf Business Central oder Sage 100?

Die Gesamtkosten hängen stark von Unternehmensgröße, Anzahl der Nutzer, gewünschten Modulen und Migrationsaufwand ab und lassen sich nicht pauschal beziffern. Als grobe Orientierung liegen kleine Projekte (10–50 Mitarbeitende) häufig im niedrigen sechsstelligen Bereich, mittlere Migrationen (50–150 Mitarbeitende) im mittleren sechsstelligen Bereich. Auf der Lizenzseite liegt Business Central Premium nach EUR-Listenpreis bei rund 95 Euro pro Nutzer und Monat (Microsoft hat die Euro-Preise zum 1. Februar 2026 um etwa 7,4 Prozent gesenkt; Essentials liegt bei rund 69 Euro), während Sage 100 modular abgerechnet wird und je Hauptnutzer meist im niedrigen dreistelligen Euro-Bereich liegt. Verbindliche Angebote sollten Sie immer auf Basis eines dokumentierten Lastenhefts bei mehreren Implementierungspartnern einholen, da Sage keine vollständige Preisliste veröffentlicht.

Business Central oder Sage 100 – welches System passt besser nach DATEV Mittelstand?

Beide Systeme bewahren die DATEV-Anbindung, unterscheiden sich aber in Profil und Ausrichtung. Microsoft Dynamics 365 Business Central ist cloud-native und spielt seine Stärken vor allem dann aus, wenn ohnehin ein Microsoft-Stack mit Microsoft 365, Teams und Power BI wächst, und bietet mit Essentials und Premium (Premium ergänzt Essentials um Fertigung und Serviceverwaltung) eine breite Partnerlandschaft. Sage 100 ist traditionell stark im DACH-Mittelstand verankert – Sage nennt rund 250.000 Mittelstandskunden in der Region – und spricht Unternehmen an, die eine vertraute, modulare Lösung mit enger Buchhaltungs- und Steuerberater-Nähe bevorzugen. Welche Option besser passt, sollte über die Wachstumsperspektive, vorhandene IT-Landschaft und Branchenanforderungen entschieden werden, nicht allein über den Preis.

Wie lange müssen wir das alte DATEV-System nach der Migration aufbewahren?

Maßgeblich sind die handels- und steuerrechtlichen Aufbewahrungsfristen, nicht das ERP-Produkt selbst. Durch das vierte Bürokratieentlastungsgesetz (BEG IV) wurde die Frist für Buchungsbelege wie Rechnungen seit dem 1. Januar 2025 von zehn auf acht Jahre verkürzt; für Handelsbücher, Inventare, Jahresabschlüsse und vergleichbare Unterlagen bleiben jedoch zehn Jahre bestehen. Da die GoBD eine maschinell auswertbare, unveränderbare und nachvollziehbare Archivierung verlangen, reicht ein reiner Datenexport in der Regel nicht aus – üblich ist, das alte DATEV-System als Read-Only-Archiv weiterzubetreiben oder die Daten in ein GoBD-konformes Archiv zu überführen. Klären Sie die dafür nötige Übergangslizenz frühzeitig mit DATEV und dokumentieren Sie den Wechsel in der Verfahrensdokumentation.

Wie lange dauert ein typischer Wechsel von DATEV Mittelstand?

Für typische Mittelstands-Migrationen sollten Sie insgesamt etwa fünf bis acht Monate einplanen, abhängig von Unternehmensgröße, Datenkomplexität und Anzahl der anzubindenden Schnittstellen. Der Ablauf gliedert sich grob in Bestandsaufnahme und Anforderungsanalyse, Partner- und Lizenzauswahl, Konfiguration inklusive Einrichtung des DATEV-Connectors, Datenmigration der Stamm- und offenen Posten, eine Testphase mit Steuerberater-Beteiligung sowie den finalen Cutover mit Hypercare. Kleine Projekte mit 10–50 Mitarbeitenden bewegen sich eher bei vier bis sechs Monaten, größere mit 150–300 Mitarbeitenden eher bei acht bis zwölf Monaten. Erfahrungsgemäß verkürzt eine saubere Stammdatenbereinigung vor der Migration und die frühe Einbindung des Steuerberaters die Projektlaufzeit spürbar.