Inventory Management – Disposition, Bestand und Lieferanten
Die Inventory Management ist die Funktion in einem Unternehmen, die alle Material- und Warenbewegungen plant, steuert und überwacht — vom Purchasing über die Lagerung bis zur Bereitstellung in der Produktion. In jedem ERP-System bildet die Inventory Management (oft als Modul 'MM' oder 'Wawi' bezeichnet) das Rückgrat zwischen Beschaffung und Logistik.
Aufgaben
- Bedarfsermittlung mittels MRP Planning auf Basis von Stücklisten und Absatzplänen
- Lieferantenmanagement: Auswahl, Bewertung, Konditionen-Pflege
- Bestellabwicklung: Enquiries, Bestellungen, Wareneingang, 3-Wege-Match
- Warehouse Management: Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung, Versand
- Bestandsführung: laufende Inventur, Charge/Seriennummer, Sperrbestände
- Rechnungsprüfung: Bestell-/Wareneingangs-/Rechnungs-Abgleich
ERP-Funktionen
Moderne ERP-Systeme decken die Inventory Management mit mehreren integrierten Modulen ab. Im SAP-Standard ist es das Modul MM (Materials Management), bei Microsoft Dynamics 365 BC die Bereiche 'Lager und Purchasing', bei Oracle NetSuite 'Procurement' und 'Inventory'. Die Tiefe der Funktionen variiert je nach Industries-Schwerpunkt erheblich.
Wichtige Differenzierungs-Merkmale sind die Tiefe der Disposition (manuell, MRP, MRP-II, APS), die Charge-/Seriennummern-Verwaltung und die Integrations zu Lager-Hardware (Scanner, Pick-by-Voice, AGV).
Inventory Management in der Praxis
Ein Großhandelsunternehmen mit 28.000 SKUs und 4 Lägern führte 2024 ein neues ERP mit moderner Inventory Management ein. Vorher liefen Disposition (Excel + manuelle Bestellvorschläge) und Bestandsführung (Altsystem) getrennt. Nach dem Go-Live mit konsequenter MRP Planning und Wareneingangs-Scanner-Integration sanken die durchschnittlichen Lagerbestände um 14 % bei gleichzeitig höherer Lieferbereitschaft (98,2 % statt 94,1 %).
Wichtigster Erfolgsfaktor war die Stammdaten-Bereinigung in der Vorbereitungsphase: 4.300 Doubletten wurden zusammengeführt, 1.800 inaktive Artikel archiviert und 12.000 Lieferzeiten manuell verifiziert. Ohne diese Investition hätte die MRP Planning unbrauchbare Vorschläge produziert.
Practical Example
Eine mittelständische Pumpenfertigung mit 145 MA bewirtschaftet ca. 14.000 Materialnummern in der ERP-Inventory Management. Granulare Steuerung: ABC/XYZ-Klassifizierung (A-Material disponiert programmgesteuert, C-Material verbrauchsgesteuert), Mindest-/Höchst-Bestände, Sicherheitsbestände unter Berücksichtigung der Lieferzeit, Liefer-Leistungsfähigkeit, automatische Bestellvorschläge. Lagerbestand wird FIFO/LIFO-geführt, MwSt.-Behandlung folgt Inland/EU-Erwerb/Drittland-Import differenziert.
