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Häufig gestellte Fragen

Bis wann muss ich von SAP ECC auf S/4HANA migrieren?

Die Mainstream-Wartung für SAP ERP 6.0 (ECC) mit den Enhancement Packages 6 bis 8 endet zum 31. Dezember 2027; eine kostenpflichtige Extended Maintenance verlängert den Support gegen einen Aufschlag von etwa zwei Prozentpunkten auf die Wartungsgebühr bis Ende 2030 (für Stände ohne bzw. mit EHP 0-5 lief die Wartung bereits Ende 2025 aus). Für komplexe Bestandskunden bietet SAP zudem eine ERP-Private-Edition-Transition-Option an, mit der sich ECC nach einer Verlagerung in eine SAP-gemanagte RISE-Private-Cloud-Umgebung und Migration auf die HANA-Datenbank bis Ende 2033 weiter mit Support betreiben lässt. Da Migrationsprojekte je nach Größe rund 9 bis 48 Monate dauern, sollten Mittelständler die Entscheidung deutlich vor 2027 treffen und Konzerne entsprechend früher starten. Wer Frist und Verlängerungsoptionen ungenutzt lässt, ist anschließend auf teure Drittanbieter- oder Custom-Maintenance angewiesen.

Was ist der Unterschied zwischen Brownfield, Greenfield und Selective Data Transition?

Bei der Brownfield-Konvertierung wird das bestehende ECC-System mit SAP-Tooling (DMO im Software Update Manager) technisch auf S/4HANA umgewandelt, wobei Customizing, Daten und Custom-Code weitgehend erhalten bleiben. Greenfield bedeutet eine komplette Neu-Implementierung auf Basis der SAP Best Practices, bei der Altlasten bereinigt werden, aber bisheriges Customizing entfällt und die Datenmigration aufwendiger ist. Selective Data Transition (auch Bluefield genannt) ist eine Mischform, bei der ein neues System aufgebaut, aber ausgewählte historische Daten und wertvolle Custom-Logik gezielt übernommen werden. Welcher Pfad passt, hängt von der Qualität der bestehenden Prozesse, dem Custom-Code-Volumen und den Audit-Anforderungen ab.

Was kostet eine S/4HANA-Migration und wie lange dauert sie?

Die Laufzeit reicht von etwa 9 bis 18 Monaten für eine Brownfield-Konvertierung im Mittelstand bis zu 30 bis 48 Monaten für eine Greenfield-Migration in einem Multi-Country-Konzern. Die Gesamtkosten umfassen Lizenzen, Implementierung, Schulung und Cloud-/Hardware-Aufwand und liegen im Mittelstand grob zwischen einer halben und mehreren Millionen Euro, während Konzernprojekte zweistellige Millionenbeträge erreichen können. Die Lizenz macht dabei meist nur etwa 15 bis 30 Prozent der Gesamtkosten aus; den größten Block bilden Beratung, interner Aufwand und Custom-Code-Anpassung (zusammen oft 45 bis 60 Prozent). Zu beachten ist, dass die Tagessätze für S/4HANA-Spezialisten wegen knapper Verfügbarkeit zuletzt um rund 30 bis 50 Prozent gestiegen sind, was Projekte zusätzlich verteuert.

Sollten wir S/4HANA als Public Cloud, Private Cloud oder On-Premise betreiben?

Die Public Cloud (über GROW with SAP) ist standardgetrieben und günstiger, schränkt das Customizing stark ein (Erweiterungen nur über definierte Frameworks, kein Backend-GUI-Zugriff) und eignet sich vor allem für prozessstandardisierte Unternehmen. Die Private Cloud Edition über RISE with SAP läuft als Single-Tenant in einer SAP-gemanagten Hyperscaler-Umgebung und erlaubt vollwertige ABAP-Entwicklung sowie die Übernahme bestehender Z-Code-, BAdI- und Erweiterungs-Logik aus ECC, weshalb sie für viele Bestandskunden mit gewachsenem Customizing der bevorzugte Weg ist. Die On-Premise-Variante mit eigener Infrastruktur und Dauerlizenz bietet maximale Kontrolle, verursacht aber den höchsten Eigenbetriebs- und Infrastrukturaufwand. Mittelständler starten meist mit Public oder Private Cloud, On-Premise bleibt eher Spezialfällen mit besonderen Datensouveränitäts- oder Compliance-Anforderungen vorbehalten.

Was passiert mit unserem Custom-Code und den Z-Objekten bei der Migration?

Vor jeder Konvertierung sollte eine Custom-Code-Inventur per ABAP Test Cockpit (ATC) gegen die S/4HANA-Simplification-Items laufen, die häufig viele Findings erzeugt und die Grundlage für die Aufwandsschätzung bildet. Beim Brownfield-Ansatz wird der Custom-Code im Zuge der Konvertierung übernommen, viele Standard-Findings lassen sich über Quick Fixes in den ABAP Development Tools beheben, doch zahlreiche Routinen müssen manuell nachjustiert werden, weil sich das Datenmodell geändert hat (etwa durch das Universal Journal mit der Tabelle ACDOCA). Beim Greenfield-Ansatz wird Custom-Code nicht übernommen, sondern die Logik neu implementiert, idealerweise als saubere Erweiterung über BAdIs oder ABAP Cloud. Erfahrungsgemäß wird der Custom-Code-Aufwand am häufigsten unterschätzt, weil der geschäftliche Wert vieler Z-Objekte über die Jahre nicht mehr beurteilbar ist.

Wie stark ändert sich die Bedienung für die Anwender mit Fiori?

S/4HANA setzt auf die rollenbasierte SAP-Fiori-Oberfläche, die sich deutlich von der klassischen, transaktionsorientierten SAP-GUI unterscheidet, auch wenn viele GUI-Transaktionen weiterhin über das Fiori Launchpad aufrufbar bleiben. Die Anwender-Akzeptanz hängt stark von früher und kontinuierlicher Schulung ab, weil sich Navigation, Such- und Reporting-Logik ändern und sich neue Embedded-Analytics-Funktionen erst mit Übung erschließen. Wird die Schulung erst wenige Wochen vor dem Go-Live gestartet, sinkt die Produktivität nach dem Cutover häufig spürbar ab. Empfehlenswert ist, Key-User früh einzubinden, rollenspezifische Launchpads vorzubereiten und für die ersten vier bis acht Wochen eine intensive Hypercare-Betreuung einzuplanen.